Kleines Kletter-Einmaleins: Wie entstehen Routen am Fels?

Wenn man klettern will, braucht man eine Route, die man hochklettern kann. In der Halle wird dafür mit bunten Plastikgriffen gesorgt. Wie aber entstehen Routen draußen am echten Fels? Das wurde ich schon oft von Nicht-Kletterern gefragt, die sich einfach nicht vorstellen konnten, wie die Sicherung in einer Felswand aussieht. Wer des langen Erklärens müde ist, kann ab sofort auf diesen Beitrag hier verweisen.

Der Farn muss noch weg, in die Felsritze passt aber trotzdem schon ein Friend.
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Grundsätzlich ist zu unterscheiden, ob „clean“ geklettert werden soll oder man Bohrhaken zur Hilfe nimmt. „Clean“ bedeutet, dass man den Fels so hinterlässt, wie man ihn vorgefunden hat. Es werden keine Haken eingebohrt, keine Standplätze fest installiert und oft auch auf eingebohrte Umlenkhaken am Ende der Route verzichtet. Stattdessen werden mobile Sicherungen verwendet. Das geschieht so, dass der Kletternde beim Weg nach oben an geeigneten Stellen Klemmgeräte (z. B. Keile oder Friends) in Felsritzen legt. Am Ende des Klemmgeräts wird eine Expressschlinge (eine Schlinge mit einem Karabiner an jedem Ende) eingehängt und in diesen wiederum das Seil, in das der Kletterer eingebunden ist. Am anderen Ende des Seils steht unten der Sicherungspartner mit seinem Sicherungsgerät, durch das das Seil läuft. Die mobilen Sicherungen in der Wand dienen im Falle eines Sturzes als Stopppunkte. Halten sie nicht, fällt der Kletterer weiter. Beim eigenen Legen von Keilen & Co. ist also darauf zu achten, sie richtig im Fels unterzubringen. Ist der Kletterer oben angekommen, seilt er sich an einem sicheren Punkt ab oder wird vom Sichernden abgelassen. Auf dem Weg nach unten sammelt er die mobilen Sicherungen dabei wieder ein.

Der Felsriss ist freigelegt. Der Routenerschließer arbeitet sich Stück für Stück nach oben. Gesichert ist er an Friends (mobilen Sicherungen).
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Ein eingebohrter Umlenker mit Kette, die als Redundanz dient. © textwelten
Ein eingebohrter Umlenker mit Kette, die als Redundanz dient.
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Werden Haken in den Fels gebohrt, werden diese als Sicherungspunkte benutzt. Der Kletterer hängt in die Haken eine Expressschlinge und in diese wiederum sein Seil. Nicht immer und überall sind oder waren Bohrhaken erwünscht. Es gab in der Klettergeschichte sogar den sogenannten Bohrhakenstreit. Darauf genau einzugehen, führt hier zu weit. Gesagt sei nur, dass Bohrhaken den Fels für immer verändern, weil ja in den Felsen Löcher eingebohrt werden.

Das widerspricht manchen Kletterethiken und ist auch nicht immer im Sinne von Umweltschützern. Nichtsdestotrotz ist dies die am weitesten verbreitete Art des Sportkletterns in freier Natur, schon allein deshalb, weil mobile Sicherungen ganz bestimmte Felsstrukturen verlangen. Bohrhaken ermöglichen somit die Kletterei an Wänden, die für Klemmgeräte ungeeignet sind.

Ein vollständiger Bohrhaken (rechts) mit Lasche, ein Haken mit fehlender Lasche (links) © textwelten
Ein vollständiger Bohrhaken (rechts) mit Lasche, ein Haken mit fehlender Lasche (links)
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Ein Bohrhaken (unten) und ein Umlenker in Form eines sogenannten Schweineschwanzes (oben) © textwelten
Ein Bohrhaken (unten) und ein Umlenker in Form eines sogenannten Schweineschwanzes (oben)
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Wie aber kommen die Haken in die Wand? Hier gibt es die Möglichkeit, eine Route entweder von unten einzurichten oder sie von oben einzubohren. Bei der Einrichtung von unten arbeitet sich der Erschließer kletternd von unten den Fels empor und bohrt unterwegs die Haken ein. Dabei muss er sich stets mit mobilen Sicherungen absichern. Da Keile oder Friends vielleicht nicht zur Wandstruktur passen, sind andere Geräte notwendig, die oft weitaus weniger vertrauenerweckend wirken. Insgesamt ist die Einrichtung von unten oft umständlicher und gefährlicher als die von oben. Bei der Einrichtung von oben seilt sich der Kletterer ab und bohrt die Haken auf dem Weg nach unten ein. Oft wird davon ausgegangen, dass bei der Erschließung von unten der Blick für die natürliche Linie im Fels besser ist.

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