Weihnachten mal anders: Klettern in der Türkei

Klettern in der Tuerkei

Leise rieselt der Schnee, Knecht Ruprecht stapft durch den Wald, Bratapfelgeruch zieht durch die warme Stube. Weihnachten. Ein Graus für Kletterer! Warum? Ganz einfach: Winter. Da muss das Draußenklettern bis zum Frühling warten. Nicht mit uns! Wir lassen Weihnachten Weihnachten sein und fahren raus aus deutschem Wintergrau und rein in den Sonnenschein. Wir fahren Klettern in der Türkei!

Winterflucht zum Nikolaus

Sinterkletterei
Traumhaft griffiger Fels in Geyikbayiri © Outdoortraum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unsere Winterflucht hat gleich drei Vorteile:
1. Wir haben’s schön warm.
2. Wir verlängern unsere Klettersaison.
3. Wir lernen Regionen kennen, in denen es im Sommer zu heiß zum Klettern ist.

In diesem Jahr also Klettern in der Türkei, quasi beim Nikolaus. Nach Myra geht’s aber nicht, sondern nach Geyikbayiri bei Antalya. Das bergige Hinterland ist unter Pauschaltouristen weitgehend unbekannt. Dabei ist es wunderschön, hat einen wilden Charme und im Winter kann man in den hohen Lagen sogar Ski fahren. Dafür sind wir aber nicht angereist. Wir wollen ans Seil!

Klettern in der Türkei: Ein Fest für die Sinne – äh … Finger

Traumfels in der Tuerkei
Der Fels leuchtet orange und selbst im Dezember ist es sommerlich warm. © Outdoortraum

Kaum im Josito Camp angekommen, springen wir in unsere Gurte. Das Camp liegt mitten im Klettergebiet. Fast alle Sektoren sind fußläufig. Rot und gelb leuchtet der Fels in der Sonne. Breite Sinterfahnen laden uns zum Klettern ein und wir hangeln durch die Überhänge. Vom fünften bis zum achten Franzosengrad ist hier alles überreichlich vorhanden: überhängend, kleingriffig, senkrecht, versintert, technisch, athletisch oder auch ganz einfach flowig. Ein Genuss!

Auf nach Citdibi

Sinterfahnen
Im Sektor Trebenna jubeln Sinterfans. © Outdoortraum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So schön das Klettern in Geyikbayiri ist, so einsam ist die Lage im Nirgendwo. Nach Antalya kommt man nur per Anhalter oder mit dem Mietwagen. In der näheren Umgebung sind nur ein paar vereinzelte Häuser von Ziegenhirten. Selbst der Ort Geyikbayiri ist zu Fuß kaum zu erreichen. Dafür ist das Klettercamp um so voller mit Weltenbummlern und Weihnachtsflüchtigen. Das ist meistens lustig. Nach zwei Wochen haben wir aber Lagerkoller und müssen da raus. Deshalb freuen wir uns, dass uns Tobias und Duygu Haug nach Citdibi einladen. Die beiden sind passionierte Kletterer und erschließen immer neue Routen. Das Klettergebiet Citdibi ist ihre Entdeckung. Ganz weit oben in den Bergen liegt es und ist nur über gewundene Schotterpisten zu erreichen. Von unserer Autositzen aus fühlt es sich an, als führen wir direkt in den Himmel. Wenn das kein gutes Omen für Weihnachten ist!

Weihnachten mit Muezzin

Wand in Citdibi
Die Wände in Citdibi sind zum Teil 150 Meter hoch. © Outdoortraum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oben angekommen sehen wir ein Paradies für Hardmover. Kein Wunder, wurden die ersten Routen doch 2014 im Rahmen des Petzl RocTrips eingebohrt. Neben ein paar knackigen Überhängen mit fantastischem Sinter öffnet sich links eine schmale Schlucht. Hier ragen auf beiden Seiten die Wände senkrecht in die Höhe. Lust auf Ausdauerklettern? Bei 140 Metern Wandhöhe kein Problem. Manche der derzeit 89 Routen sind 55 Meter lang – als Einfachlänge! So geht Klettern in der Türkei!

enge Schlucht in Citdibi
In dieser engen Schlucht kann man sich die Finger wund klettern. © Outdoortraum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein paar leichte Routen gibt es zwar auch, die Mehrzahl der Wege liegt aber im Bereich 7c bis 8c. Das meiste also zu schwer für mich. Das macht mir aber gar nichts. Ich genieße es, in den leichteren Längen nigelnagelneuen Sportkletterfels unter den Fingern zu haben. Von Speck keine Spur! Dabei ist alles toll abgesichert und alle Haken ist bestem Zustand. Tobias und Duygu setzen ihren ganzen Stolz in „ihr“ Citdibi, das ist zu merken.

Als es langsam Abend wird, zünden wir zwischen ein paar Felsblöcken ein Lagerfeuer an, schälen eine Orange vom Basar und schauen ins Tal. Langsam senkt sich die Sonne und färbt die Landschaft golden. Weit hinten im Dunst kann man das Meer vor Antalya entdecken. Andächtig betrachten wir das Bild vor uns. Da beginnt der Muezzin aus der Ferne sein Lied. Weihnachten.


Tipps zum Klettern in der Türkei:

  • Flug: Nehmt einen Flug nach Antalya. Hier gibt es fast das ganze Jahr über günstige Angebote.
  • Auto: Es kann sich lohnen, direkt am Flughafen auch einen Mietwagen zu ordern. Der kostet nicht so viel. Alternativ bietet das Josito Camp einen Transfer vom/zum Flughafen an. Sitzt ihr allein im Auto, habt ihr die Kosten für den Mietwagen aber oft schon raus. Also ruhig mal durchrechnen!
  • Unterkunft: Es gibt diverse Unterkünfte für Kletterer. Ihr könnt dort meist Zelte mieten, in kleinen Bungalows wohnen oder ein Zimmer in einem komfortableren Guest House buchen.
  • Essen: Ihr könnt vor Ort in der Küche des Camps kochen und euch so selbst versorgen. Einkaufen müsst ihr dafür entweder auf dem Markt, der einmal wöchentlich den Hügel runter stattfindet, oder aber in Antalya. Auch hier also: Mietwagen könnte sich lohnen! Wollt ihr gar nicht selbst kochen, könnt ihr euch natürlich auch für einen fairen Preis im Camp bekochen lassen.
  • Pausentage: Um Antalya herum gibt es tolle Ausflugsziele, viele archäologische Ausgrabungsstätten, andere Klettergebiete wie Olympos, Strände ohne Ende und viel schöne Natur. Die Altstadt von Antalya lohnt auch einen Besuch. Wenn ihr die müden Knochen verwöhnen wollt, könnt ihr hier ein Hamam besuchen (ein türkisches Bad).

Zu diesem Beitrag hat mich Simone Blaschke vom Kultreiseblog mit ihrer Blogparade „Weihnachten in anderen Ländern“ inspiriert. Danke dafür!

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Türkisches Klettergebiet in Not: Save Geyikbayiri!

Die Türkei ist ein vergleichsweise junges Kletterland. Als sich vor knapp 15 Jahren die ersten Erschließer daran machten, Sportkletterrouten in den herrlichen Fels um Geyikbayiri einzurichten, erlangte das türkische Klettergebiet am Fuße des Taurus schnell Weltruhm. Das Potenzial ist riesig, das Angebot an Routen wächst. Mittlerweile ist Geyikbayiri mit Abstand das bedeutendste und größte Klettergebiet der Türkei und eine beliebte Kletterdestination in Europa. Jedes Jahr kommen Tausende von Kletterbegeisterten hierher, um an den vielfältigen Kalkfelsen mit den tollen Sinterstrukturen zu klettern.

Schon im Februar kann man hier in schönster Frühlingssonne am Traumfels klettern.
© Outdoortraum

Klettertouristen sind willkommen

Für die einfach lebende Landbevölkerung ist der Tourismus ein Segen. Zwar liegt Geyikbayiri nur etwa 25 Kilometer von der Tourismushochburg Antalya entfernt. Ein gut und günstig zu erreichender Flughafen liegt also in der Nähe des Klettergebiets. Außer den felsverliebten Vertikalsportlern verirrt sich jedoch kaum jemand hierher. Der Klettertourismus ist eine willkommene Einnahmequelle.

Kalksteinabbau würde das Aus für Geyikbayiri bedeuten. © textwelten
Kalksteinabbau würde das Aus für Geyikbayiri bedeuten.
© Outdoortraum

Geyikbayiri ist bedroht

Geyikbayiri ist nun jedoch bedroht. Die türkische Regierung hat einer Steinbruchfirma die Erlaubnis erteilt, mitten im Klettergebiet Kalkstein abzubauen. Wird das Vorhaben in die Tat umgesetzt, dann sind die Tage der Klettergärten in Geyikbayiri gezählt.

Das ist nicht nur für die Kletterwelt ein herber Verlust: Die Einheimischen verlieren eine wichtige Einnahmequelle. Vor allem aber wird die wunderschöne Natur mit ihrer alpinen Pflanzenvielfalt zerstört.

Vom Klettergebiet aus sieht man die Ausläufer des Taurus und das Tal hinab bis zum Meer. © textwelten
Vom Klettergebiet aus sieht man die Ausläufer des Taurus und das Tal hinab bis zum Meer.
© Outdoortraum

Online-Petition

Um den Kalkabbau zu verhindern, haben Einheimische eine Online-Petition ins Leben gerufen. Darin wird das zuständige Ministerium über die Vorgänge in Kenntnis gesetzt und die Bedeutung des Gebietes für die Einheimischen, die Kletterer und die Natur erklärt. Das Ziel ist die Rücknahme der Abbaugenehmigung. Der vollständige Text ist hier zu finden. Dort kann man auch direkt unterzeichnen. Außerdem gibt es noch eine facebook-Seite namens Save Geyikbayiri, auf der man sich über die Vorgänge im Klettergebiet informieren kann.

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Blog-Empfehlung: Climbingstories

Leseschmankerl für Kletterfreunde

Kletterer lieben den Fels. So sehr, dass sie sich auch theoretisch gern damit befassen, wenn es die Praxis aus irgendwelchen Gründen nicht zulässt. Kletterblogs gibt es deshalb ein paar im Netz. Ein besonderes Schmankerl ist aber das Blog Climbingstories.

Der Autor ist Kletterenthusiast und kennt sich aus mit der Materie. Das hat auch die Zeitschrift „Klettern“ erkannt und bereits mehrere Artikel von ihm veröffentlicht. So ist in der aktuellen September-Ausgabe 2013 ein sehr lesenswerter Artikel über die Türkei als Titelstory erschienen.

Auf dem Blog ist jedoch noch mehr zu lesen. Bouldern, Sportklettern und alpine Mehrseillängen – der Autor ist in allen Disziplinen zu Hause und probiert die unterschiedlichsten Kletterziele aus. So berichtet er von Kletterurlauben im italienischen Arco, den französischen Traditionsgebieten der Sportklettergeneration in der Provence oder von abenteuerlichen Felsfahrten in alpinem Terrain und Boulder-Trips ins Elsass.

So vielseitig seine Reiseziele, so tief auch seine Verbundenheit zu den heimischen Klettergebieten in der Eifel. Besonders der viel gelesene Artikel über die Buntsandsteinfelsen in Nideggen zeugt nicht nur von Klettereuphorie, sondern auch fundierter Kenntnis der komplizierten Argumentationsfront zwischen Umweltschützern, Outdoor-Sportlern und Kommune.

Es macht immer wieder Spaß, auf Climbingstories vorbeizuschauen, denn die Beiträge sind kurzweilig und sehr humorvoll. Besonders schön: Nie erhebt sich der Autor über andere, die vielleicht weniger souverän am Felsen unterwegs sind. Im Gegenteil: Er scheut sich nicht, mit viel Selbstironie die manchmal an Panik grenzende Seelenlage angesichts lockerer Umlenker und fragwürdiger Felsführen offenzulegen. Sympathisch!

Wer keine Zeit hat, längere Artikel zu lesen, kann auch so herumstöbern. Neben Klettervideos gibt es auch lustiges Bildmaterial, das mit launigen Kommentaren versehen ist. Der Besuch lohnt sich!

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