Kopf des Monats: Wolfgang Güllich

Wolfgang Güllich

Wolfgang Güllich (*1960 in Ludwigshafen, +1992 in Ingolstadt) war ein deutscher Kletterer. Er ist bis heute weltberühmt, weil er wesentlich zur Entwicklung des Sportkletterns und insbesondere der Freikletterbewegung beigetragen hat. Viele seiner Erstbegehungen gehören noch heute zu den schwierigsten Routen und haben Weltrang.

Anfänge

Güllich begann 1975 als Teenager mit dem Klettern an den heimischen Felsen in der Pfalz. Dort machte er rasch Fortschritte und erregte Aufsehen, als er 1977 den berühmten „Jubiläumsriss“ (7–) in der Pfalz nicht mit technischen Hilfsmitteln hochkletterte, wie es bis dahin noch meist der Fall war. Stattdessen kletterte er frei, das heißt, er benutzte zwar ein Seil und mobile Sicherungsgeräte, die dienten aber nur als Schutz bei einem Sturz. Er verwendete sie nicht als Kletterhilfen.

Kletter-WG

1982 zog Wolfgang Güllich in die Fränkische Schweiz und dort mit seinem nicht minder berühmten Seilpartner Kurt Albert zusammen. In ihrer Wohngemeinschaft in Oberschöllenbach tummelten sich bald Kletterer aus aller Welt. Stammgäste und enge Freunde waren die britischen Kletterer Jerry Moffatt und Ben Moon.

Wolfgang Güllich sammelt Rekorde

Über Jahre brach Güllich mit seinen Erstbegehungen einen Rekord nach dem anderen und legte die Latte im Sportklettern immer höher. Mit den Routen „Ghettoblaster“ (X), „Punks in the Gym“ (X+), „Wall Street“ (X–) und einigen anderen schuf er Klassiker und beging nicht nur einmal die jeweils bis dahin schwerste Route seiner Zeit. 1991 kletterte er sein Glanzstück „Action Directe“ (XI) und eröffnete damit den elften Grad im Sportklettern. Erst 2001 konnte Chris Sharma mit „Realization“ (XI+) diesen Schwierigkeitsgrad einholen.

Wolfgang-Guellich-Grab_von Kassandro
Wolfgang Güllichs Grab © Kassandro

Wegweiser

Immer wieder wird gesagt, dass Güllich mit seinem Können seiner Zeit weit voraus war. Das lag sicher nicht nur an seinem großen Talent, sondern auch an seinem eisernen Willen und seiner akribischen Vorbereitung. Er ist bis heute berühmt für seinen einarmigen Klimmzug, der ihm sogar zu einer Rolle als Sylvester Stallones Double im Film „Cliffhanger“ verhalf. Verewigt hat sich Güllich mit seiner Trainingsmethode in fast jeder Kletterhalle: Dort hängen die sogenannten Campus-Boards (genannt nach dem Fitnessstudio, in das er stets ging und in dem er an einem solchen Board selbst trainierte). Diese Bretter mit Leisten und Fingerlöchern nutze Güllich, um sich penibel auf bestimmte Bewegungsabfolgen in bestimmten Routen vorzubereiten. Dabei unterschied er genau, ob er für einen Zug statische oder dynamische Bewegungen ausführen musste. Wer sich Güllich auf Youtube in Aktion anschaut, sieht, wie geschmeidig das Ergebnis seines Trainings aussieht!

Früher Tod

Wolfgang Güllich starb 1992 bei einem Autounfall mit nur 31 Jahren. Sein Grab in Obertrubach ist zu einer Pilgerstätte für Sportkletterer geworden. Sein Werk hat bis heute bestand, seine Routen gehören noch immer zu den schwersten der Welt und werden gerne von jüngeren Ausnahmekletterern als Herausforderung gesehen, sich posthum mit ihrem Idol zu messen. Die Liste der Wiederholer von „Action Directe“ liest sich wie das Who’s who der internationalen Sportkletterer: Dave Graham, Christian Bindhammer, Markus Bock, Kilian Fischhuber, Adam Ondra und Alex Megos, um nur einige zu nennen. Zum Abschluss ein Video, in dem ihr Jan Hojer in Güllichs „Action Directe“ bestaunen könnt.

Diesen Beitrag teilen:

Frohes neues Jahr für Outdoor-Freunde!

Fahrrad im Schnee

Ein neues Jahr ist angebrochen und wahrscheinlich haben so einige von euch mit einem ausgewachsenen Kater zu kämpfen. Und das ausgerechnet am ersten Tag des taufrischen Jahres. Vielleicht habt ihr auch noch Vorsätze fürs neue Jahr gefasst? Vielleicht wollt ihr mehr Sport treiben, abnehmen, weniger trinken, gesünder essen, härter trainieren … Und dann kommt ihr schon am 1. Januar kaum aus den Federn.

Kein schlechtes Gewissen

Ihr möchte euch mit diesen Zeilen bestimmt kein schlechtes Gewissen machen. Vielmehr drücken sie ein Gefühl aus, dass ich selbst nur allzu oft an Neujahr hatte: So viele gute Vorsätze, so viel Motivation, sie einzuhalten, und dann ist damit gleich am ersten Tag des Jahres nix. Das hat mich irgendwann sehr geärgert. Das möchte ich nicht mehr. Gleichzeitig will ich aber natürlich nicht auf eine Silvesterparty verzichten, nur um am nächsten Tag fit zu sein. Was also tun? Wie ein neues Jahr einläuten, ohne aufs Feiern zu verzichten?

Tatort Currywurst
Auch in der Heimatstadt könnt ihr auf einer Wanderung etwas entdecken – in Köln zum Beispiel die Original-Wurstbraterei aus dem Kölner Tatort in der ARD. © Outdoortraum

Wandern für den klaren Kopf

So habe ich beschlossen, am 1. Januar jedes Jahres eine kleine Wanderung zu machen. Unproblematisch soll sie sein, leicht und schnell zu erreichen, am besten vor der Haustür. Da ich in Köln wohne, bietet sich für mich der Kölnpfad an. Jedes Jahr am 1.1. ziehen wir also los und gehen eine Etappe. Das ist auch bei schlechtem Wetter machbar, weil der Weg nicht anspruchsvoll ist. Anfangs- und Endpunkt jeder Etappe ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar und die Wanderung ist jeweils nicht zu lang.

Köln von oben
Viel Grün in Köln – zugegeben nicht an Neujahr fotografiert … © Outdoortraum

Für uns hat das gleich mehrere Vorteile:
• fast keine Vorbereitungen
• unproblematische An- und Abreise ohne Auto
• keine Wetterausrede
• nicht zu zeitintensiv

Der größte Vorteil allerdings: Ich muss kein schlechtes Gewissen haben, weil ich mich ja bewege. Und: Ich habe nach der Wanderung auf jeden Fall einen klaren Kopf. Mir ist das zu einer lieben Neujahrstradition geworden. In diesem Sinne wünsche ich euch ein gesundes neues Jahr mit vielen tollen Outdoor-Erlebnissen!

Neues Jahr, neue Rubrik

Übrigens habe ich im neuen Jahr noch ein Schmankerl für euch: Einmal im Monat stelle ich unter der FreitagsFrage den Kopf des Monats vor. Ich habe euch schon früher manchmal von Outdoor-Größen erzählt, zum Beispiel von Juliane Wurm oder Hermann Buhl. Den Anfang wird Wolfgang Güllich am 26. Januar machen. Also, schaut mal rein!

Diesen Beitrag teilen:

Markus Steiner: Weltherz

Weltherz von Markus Steiner

„Noch vor meinem vierzigsten Geburtstag wollte ich entdecken, wer ich wirklich bin.“ So lautet der erste Satz der Reisereportage „Weltherz“ von Markus Steiner, die im September 2017 bei Malik erschienen ist. So wird dem Leser schon im Auftakt zum Buch klar, dass es sich hier um keinen gewöhnlichen Urlaubsbericht handelt. Zwar führt Steiners Reise in klassische Traumdestinationen von Reiseberichterstattern: Er fährt unter anderem nach Nepal in den Himalaja, nach Indien, Thailand, Indonesien, Vietnam und Burma. Dabei hat Steiner jedoch kein Interesse daran, Sehenswürdigkeiten abzuhaken. Vielmehr möchte er sich treiben lassen, Menschen begegnen und die bereisten Länder von einer Seite kennenlernen, die nicht für den Touristen blank poliert wurde. Er möchte sich selbst den Luxus gönnen, auf seine Bedürfnisse zu hören und dabei mehr über sich selbst erfahren. Er möchte auf sein Weltherz hören. Mit den besuchten Ländern lernt er also auch sich selbst besser kennen. Steiners Reportage ist der Bericht einer Reise zu sich selbst.

Reise zum eigenen Weltherz

Das mag etwas esoterisch klingen oder gar missionarisch. Steiner verfällt jedoch nie auf Belehrungen darüber, was ein erfülltes Leben sei. Stattdessen schildert er seine Erlebnisse – mal beeindruckend und gewaltig wie sein Gipfelerlebnis im Himalaja, mal besinnlich oder leichtfüßig wie seine Gedanken beim Blick aufs Wasser an der israelischen Küste in Tel Aviv. Seine Reise zu sich selbst gestaltet sich dabei eher in leisen Tönen und zwischen den Zeilen. Ihn dabei begleiten zu dürfen ist ein kostbares Geschenk an seine Leser.

Am Ende der Reise hat Steiner viel erlebt und viel gelernt. Als Erinnerung bringt er nicht weniger als einen neuen Lebensentwurf mit. Statt Internet-Start-up steht jetzt Reisejournalismus auf dem Programm, statt Karriere-Hochzeit-Häuschen-Kind-Biografie Pendeln zwischen Lissabon, Istanbul und dem Rest der Welt. Markus Steiner scheint sein Glück gefunden zu haben. Als seine Leser dürfen wir nur hoffen, dass sein Mitteilungsbedürfnis dennoch nicht versiegt und seinem Debüt „Weltherz“ noch weitere Reportagen folgen.


Markus Steiner: Weltherz. Von einem, der auszog, die Freiheit zu suchen. Malik, 2017. 16,00 Euro. www.malik.de

Diesen Beitrag teilen:

Weihnachten mal anders: Klettern in der Türkei

Klettern in der Tuerkei

Leise rieselt der Schnee, Knecht Ruprecht stapft durch den Wald, Bratapfelgeruch zieht durch die warme Stube. Weihnachten. Ein Graus für Kletterer! Warum? Ganz einfach: Winter. Da muss das Draußenklettern bis zum Frühling warten. Nicht mit uns! Wir lassen Weihnachten Weihnachten sein und fahren raus aus deutschem Wintergrau und rein in den Sonnenschein. Wir fahren Klettern in der Türkei!

Winterflucht zum Nikolaus

Sinterkletterei
Traumhaft griffiger Fels in Geyikbayiri © Outdoortraum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unsere Winterflucht hat gleich drei Vorteile:
1. Wir haben’s schön warm.
2. Wir verlängern unsere Klettersaison.
3. Wir lernen Regionen kennen, in denen es im Sommer zu heiß zum Klettern ist.

In diesem Jahr also Klettern in der Türkei, quasi beim Nikolaus. Nach Myra geht’s aber nicht, sondern nach Geyikbayiri bei Antalya. Das bergige Hinterland ist unter Pauschaltouristen weitgehend unbekannt. Dabei ist es wunderschön, hat einen wilden Charme und im Winter kann man in den hohen Lagen sogar Ski fahren. Dafür sind wir aber nicht angereist. Wir wollen ans Seil!

Klettern in der Türkei: Ein Fest für die Sinne – äh … Finger

Traumfels in der Tuerkei
Der Fels leuchtet orange und selbst im Dezember ist es sommerlich warm. © Outdoortraum

Kaum im Josito Camp angekommen, springen wir in unsere Gurte. Das Camp liegt mitten im Klettergebiet. Fast alle Sektoren sind fußläufig. Rot und gelb leuchtet der Fels in der Sonne. Breite Sinterfahnen laden uns zum Klettern ein und wir hangeln durch die Überhänge. Vom fünften bis zum achten Franzosengrad ist hier alles überreichlich vorhanden: überhängend, kleingriffig, senkrecht, versintert, technisch, athletisch oder auch ganz einfach flowig. Ein Genuss!

Auf nach Citdibi

Sinterfahnen
Im Sektor Trebenna jubeln Sinterfans. © Outdoortraum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So schön das Klettern in Geyikbayiri ist, so einsam ist die Lage im Nirgendwo. Nach Antalya kommt man nur per Anhalter oder mit dem Mietwagen. In der näheren Umgebung sind nur ein paar vereinzelte Häuser von Ziegenhirten. Selbst der Ort Geyikbayiri ist zu Fuß kaum zu erreichen. Dafür ist das Klettercamp um so voller mit Weltenbummlern und Weihnachtsflüchtigen. Das ist meistens lustig. Nach zwei Wochen haben wir aber Lagerkoller und müssen da raus. Deshalb freuen wir uns, dass uns Tobias und Duygu Haug nach Citdibi einladen. Die beiden sind passionierte Kletterer und erschließen immer neue Routen. Das Klettergebiet Citdibi ist ihre Entdeckung. Ganz weit oben in den Bergen liegt es und ist nur über gewundene Schotterpisten zu erreichen. Von unserer Autositzen aus fühlt es sich an, als führen wir direkt in den Himmel. Wenn das kein gutes Omen für Weihnachten ist!

Weihnachten mit Muezzin

Wand in Citdibi
Die Wände in Citdibi sind zum Teil 150 Meter hoch. © Outdoortraum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oben angekommen sehen wir ein Paradies für Hardmover. Kein Wunder, wurden die ersten Routen doch 2014 im Rahmen des Petzl RocTrips eingebohrt. Neben ein paar knackigen Überhängen mit fantastischem Sinter öffnet sich links eine schmale Schlucht. Hier ragen auf beiden Seiten die Wände senkrecht in die Höhe. Lust auf Ausdauerklettern? Bei 140 Metern Wandhöhe kein Problem. Manche der derzeit 89 Routen sind 55 Meter lang – als Einfachlänge! So geht Klettern in der Türkei!

enge Schlucht in Citdibi
In dieser engen Schlucht kann man sich die Finger wund klettern. © Outdoortraum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein paar leichte Routen gibt es zwar auch, die Mehrzahl der Wege liegt aber im Bereich 7c bis 8c. Das meiste also zu schwer für mich. Das macht mir aber gar nichts. Ich genieße es, in den leichteren Längen nigelnagelneuen Sportkletterfels unter den Fingern zu haben. Von Speck keine Spur! Dabei ist alles toll abgesichert und alle Haken ist bestem Zustand. Tobias und Duygu setzen ihren ganzen Stolz in „ihr“ Citdibi, das ist zu merken.

Als es langsam Abend wird, zünden wir zwischen ein paar Felsblöcken ein Lagerfeuer an, schälen eine Orange vom Basar und schauen ins Tal. Langsam senkt sich die Sonne und färbt die Landschaft golden. Weit hinten im Dunst kann man das Meer vor Antalya entdecken. Andächtig betrachten wir das Bild vor uns. Da beginnt der Muezzin aus der Ferne sein Lied. Weihnachten.


Tipps zum Klettern in der Türkei:

  • Flug: Nehmt einen Flug nach Antalya. Hier gibt es fast das ganze Jahr über günstige Angebote.
  • Auto: Es kann sich lohnen, direkt am Flughafen auch einen Mietwagen zu ordern. Der kostet nicht so viel. Alternativ bietet das Josito Camp einen Transfer vom/zum Flughafen an. Sitzt ihr allein im Auto, habt ihr die Kosten für den Mietwagen aber oft schon raus. Also ruhig mal durchrechnen!
  • Unterkunft: Es gibt diverse Unterkünfte für Kletterer. Ihr könnt dort meist Zelte mieten, in kleinen Bungalows wohnen oder ein Zimmer in einem komfortableren Guest House buchen.
  • Essen: Ihr könnt vor Ort in der Küche des Camps kochen und euch so selbst versorgen. Einkaufen müsst ihr dafür entweder auf dem Markt, der einmal wöchentlich den Hügel runter stattfindet, oder aber in Antalya. Auch hier also: Mietwagen könnte sich lohnen! Wollt ihr gar nicht selbst kochen, könnt ihr euch natürlich auch für einen fairen Preis im Camp bekochen lassen.
  • Pausentage: Um Antalya herum gibt es tolle Ausflugsziele, viele archäologische Ausgrabungsstätten, andere Klettergebiete wie Olympos, Strände ohne Ende und viel schöne Natur. Die Altstadt von Antalya lohnt auch einen Besuch. Wenn ihr die müden Knochen verwöhnen wollt, könnt ihr hier ein Hamam besuchen (ein türkisches Bad).

Zu diesem Beitrag hat mich Simone Blaschke vom Kultreiseblog mit ihrer Blogparade „Weihnachten in anderen Ländern“ inspiriert. Danke dafür!

Diesen Beitrag teilen:

#MittwochsFoto 39

Rock Masters Arena in Arco in Italien

Die Kletterarena in Arco ist Schauplatz der alljährlichen Rock Masters, bei denen sich Größen wie Adam Ondra, Chris Sharma und viele andere miteinander messen. Auch Jugendwettkämpfe finden hier statt. Und wenn gerade niemand für Pokale klettert, ist die Arena offen für alle und wohl die berühmteste künstliche Outdoor-Kletterwand der Welt. Übrigens: Im Hintergrund sieht man die Wand des Colodri, wo bis 1987 die Rock Masters ausgetragen wurden.

Diesen Beitrag teilen: