Christian K. Rupp: Klettersteiggehen

Klettersteiggehen

Klettersteige boomen. Immer neue Wege werden eingerichtet und von immer mehr Fans besucht. Kein Wunder: Das Klettersteiggehen bietet Bergfreunden die Möglichkeit, in Gegenden zu gelangen, die sonst unzugänglich oder allenfalls kletternd erreichbar wären.

Klettersteiggehen in Theorie und Praxis

Christian Rupp reagiert mit seinem Einsteigerbuch „Klettersteiggehen“ auf diesen Trend. Das mit 128 Seiten handliche Büchlein im Taschenformat versammelt alle wichtigen Informationen die Anfänger brauchen, um ihre erste Via Ferrata in Angriff zu nehmen. Auf einen kompakten Theorieteil zu Geschichte und verschiedenen Arten von Klettersteigen sowie der nötigen Ausrüstung folgt der reich bebilderte Praxisteil. Ausführlich beschreibt der Autor, was bei der Tourenplanung zu beachten ist, wie die Schwierigkeitsbewertungen der Steige zu verstehen sind und was sonst noch zu beachten ist, wenn man in den Bergen unterwegs ist.

Das Klettersteiggehen ist wohl auch deshalb so beliebt, weil es leicht zu erlernen ist. Trotzdem dürfen die Gefahren dabei nicht unterschätzt werden. Rupp räumt diesem wichtigen Thema deshalb ein eigenes Kapitel ein. Dabei unterscheidet er sehr sinnvoll zwischen objektiven Gefahren – gemeint sind etwa Wetterstürze, Gewitter oder marode Klettersteige – und subjektiven Gefahren wie Selbstüberschätzung oder zu salopper Umgang mit der Selbstsicherung.

Auch das Verhalten auf dem Steig selbst kommt nicht zu kurz. So erklärt er nicht nur, wie die Sicherung im Steig anzubringen ist, sondern betont, wie zentral es ist, Abstand zu halten. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, wie schön es wäre, wenn mancher Klettersteiggeher diese Regel beherzigte.

Kostbares Basiswissen

Insgesamt ist das Büchlein Anfängern zu empfehlen. Es ersetzt natürlich nicht die praktische Erfahrung, kann aber enorm dabei helfen, sich auf den ersten Klettersteig vorzubereiten. In der Reihe „Basiswissen für draußen“ erschienen, wird das Buch diesem Anspruch allemal gerecht. Sollte der eine oder andere Hinweis dem Leser bereits bekannt sein, entschädigen die schönen Farbfotografien von Klettersteigen in den Alpen, die alle Lust auf diesen tollen Sport machen.


Christian K. Rupp: Klettersteiggehen. Ausrüstung – Sicherheit – Tourenplanung. Basiswissen für draußen Bd. 395. Conrad Stein Verlag, 2017. 8,90 Euro. www.conrad-stein-verlag.de

Klettersteig im Wilden Kaiser: Jubiläumssteig

Hinweisschild zum Jubiläumssteig

Der Jubiläumssteig im Wilden Kaiser ist ein echtes Highlight für alle Klettersteigfans – egal, ob Anfänger oder Fortgeschrittene. Wie schon der Topo verrät, ist der Steig sehr gut eingerichtet und mit der Schwierigkeit A/B auch für Anfänger geeignet. Mit einem zusätzlichen Sicherungsseil ist diese Via Ferrata auch etwas für Kinder. Erfahrene Klettersteiggeher können bestimmt auf einige der vielen Sicherungspunkte verzichten. Trotzdem lohnt sich der Weg auch für Fortgeschrittene. Die Landschaft und das Felsenpanorama sind einfach unbeschreiblich schön.

Seilsicherung für Kinder im Jubiläumssteig
Mit Seilsicherung können auch Kinder den Jubiläumssteig gehen. © Outdoortraum

Zustieg zum Jubiläumssteig

Los geht es an der Wochenbrunner Alm. Wo sich die Reichen und Schönen tummeln, kann man gegen Gebühr parken. Da man den Jubiläumssteig in beide Richtungen begehen kann, gibt es von hier verschiedene Möglichkeiten, zur Via Ferrata zu gelangen:

• über den Weg 825 Richtung Gruttenhütte
• über die Gaudeamushütte und den Klammlweg (Weg 812/822 und 813/824) Richtung Gruttenhütte
• über die Gaudeamushütte Richtung Ellmauer Tor (Weg 812)

Gruttenhütte
Die Gruttenhütte thront in 1.620 Metern Höhe. © Outdoortraum

Wir haben uns für Möglichkeit 1 entschieden, den Weg über die Gruttenhütte. Für den Zustieg brauchen wir etwa 1,5 Stunden. Da hier erst einmal einige Höhenmeter zu überwinden sind, kann es an heißen Tagen schon etwas anstrengend werden. Von der Wochenbrunner Alm, die auf 1.080 Metern liegt, geht es nämlich bis auf die 1.619 Meter hoch gelegene Gruttenhütte. Wer mag, kann sich hier bei schönster Aussicht erfrischen, bevor es dann mit dem Jubiläumssteig losgeht.

Wilde Felsen im Wilden Kaiser

Der Klettersteig ist sehr gut eingerichtet. Es gibt ausgesprochen viele Stahlseile und Trittstufen. Steile Passagen sind sogar mit Leitern ausgestattet. Was den Weg so besonders macht, sind die atemberaubenden Ausblicke. Immer wieder müssen wir stehen bleiben und zu den schroffen Felsen hinaufschauen, die sich direkt vor und neben uns erheben. Rechter Hand liegt weit unter uns das Tal. Manchmal grüßt uns aus der Ferne das Geläut von ein paar Kuhglocken. Idyllischer kann ich mir eine Wanderung kaum vorstellen.

Blick ins Tal vom Jubiläumssteig aus
Der Blick ins Tal vom Jubiläumssteig aus. © Outdoortraum

Schwindelfrei?

Doch bei allem Genuss ist es wichtig, den Weg selbst nicht aus den Augen zu verlieren. Der ist mitunter nämlich ganz schön ausgesetzt. Eine tiefe Felsspalte überqueren wir auf guten Fußtritten. Zwischen unseren Füßen sehen wir den Abgrund. Wer da nicht schwindelfrei ist, sollte sich vielleicht lieber einen anderen Weg aussuchen.

Trittstufen über die Felsspalte
Zwischen den Trittstufen gähnt die Tiefe. © Outdoortraum

Abwechslungsreicher Jubiläumssteig

Ob wohl Trittsicherheit und Schwindelfreiheit nötig sind, ist der Weg nie zu schwierig. Aber er ist so kurzweilig eingerichtet, dass er uns auch ohne große Herausforderung viel Spaß macht. Mal geht es ein wenig bergab, auf Leitern dann wieder in die Höhe. Wir gehen an spitzen Felsnadeln vorbei und balancieren auf schmalsten Pfaden. Da ist es schade, dass nach einer Stunde schon alles vorbei ist.

ausgesetzter Klettersteig
Auf schmalen Pfaden durch die hochalpine Landschaft. © Outdoortraum

Abstieg

Bergab geht es dann zur Gaudeamushütte. Auch dieser Weg, der Weg 812, ist schön und gut markiert. Je tiefer wir kommen, desto dichter wird die Vegetation. In der Hitze erschlägt uns fast der herbe Duft der Latschenkiefern. Das Glockengeläut wird lauter und schließlich sehen wir vor uns die Gaudeamushütte. Die Terrasse ist voll mit Wanderern, die sich Limo, herzhafte Kartoffelsuppe und Kaiserschmarrn schmecken lassen. Wir gönnen uns auch ein kühles Radler bevor wir den Abstieg von hier zur Wochenbrunner Alm fortsetzen.

Ellmauer Tor
Blick aufs Ellmauer Tor. © Outdoortraum

Wir sitzen und schauen hinauf in die Berge. Dort oben im hochalpinen Gelände, da waren wir gerade. Diese Zufriedenheit nach einer schönen Bergtour schmeckt mindestens so gut wie unser Radler.

Klettersteig am Gardasee: Via Ferrata Rio Sallagoni

Der Gardasee und seine umliegenden Berge sind ein Sportlerparadies. Surfer, Mountainbiker, Rennradfahrer, Sportkletterer, Alpinkletterer, Wanderer – alle kommen hier voll auf ihre Kosten. Beliebt sind die Gardaseeberge auch bei Klettersteiggehern. Hier gibt es Klettersteige in allen Schwierigkeitsgraden und Längen. Wir haben die Via Ferrata Rio Sallagoni unterhalb von Drena ausprobiert.

Ein bisschen Abenteuer am Pausentag

Wir haben uns diesen Klettersteig ausgesucht, weil die Beschreibung so spannend klang: ein Abenteuerklettersteig durch eine enge Klamm, Hangeln über einem Fluss, Vorsicht, wenn der Fluss zu viel Wasser führt! Das klang gut, das wollten wir sehen.

Diese Hangelpartie ist nichts für kleine Leute. © Outdoortraum

Bewertet ist die Via Ferrata Rio Sallagoni mit der Schwierigkeit C, was allerdings nicht für Kinder gelten dürfte. Die Absicherung ist zwar sehr gut, für kleine Menschen aber viel zu weit auseinander. Besonders die Passagen mit den Hangelpartien dürften da zum Problem werden.

Da wir den Steig an einem Pausentag vom Klettern machen, kommt uns die eher kurze Distanz gerade recht: 1:15 Minuten Kletterzeit sind angegeben. Hinzu kommen nur 15 Minuten Zustieg vom Parkplatz (am Sportplatz auf dem Weg nach Drena von Dro aus kommend) und schon stehen wir am Einstieg.

Der Einstieg zum Klettersteig. © Outdoortraum

Der reißende Rio Sallagoni

Der reißende Fluss, vor dem gewarnt wurde, entpuppt sich als dünnes Rinnsal. Das ist aber immerhin gewaltig genug, um eine tiefe Schneise in den Fels zu schneiden. Wir steigen in den Klettersteig ein und werden durch schmale Felsspalten geschickt, die der Fluss gegraben hat. Ein bisschen schmierig sind die Wände. Wo ich auf Reibung stehen muss, wird es etwas rutschig, da es am Vortag geregnet hat. Glücklicherweise ist die Via Ferrata Rio Sallagoni aber wirklich sehr gut abgesichert und fast überall sind Trittstufen angebracht.

Schmierig ist die Via Ferrata Rio Sallagoni an manchen Stellen! © Outdoortraum

Am Ende der Felsspalte erwartet uns eine lustige Hangelpartie über dem Bachbett, bevor sich der kleine Canyon öffnet und den Blick auf einen Wasserfall freigibt. Eine versteckte Welt tut sich hier drinnen auf!

Die Steinmännchen weisen den Weg zum Wasserfall. © Outdoortraum

An Steinmännern vorbei wandern wir ein kurzes Stück ungesichert hinauf zur tibetanischen Brücke. Wirklich liebevoll eingerichtet führt sie hoch über dem Bachbett und der Schlucht zwischen den Bäumen hindurch.

Die tibetanische Brücke. © Outdoortraum

Versteckter Canyon

Dann geht es weiter bergauf – teil versichert, teils nicht. Wer trittsicher ist, kommt hier auch ganz ohne Klettersteigset aus. Sehr schön kann man von hier oben durch die Felsen hindurch ist fruchtbare Sarcatal schauen. Wir sind versteckt in unserem schattigen und feuchten Canyon und linsen hinaus, wo die Sonne scheint.

Blick ins Sarcatal. © Outdoortraum

Der Klettersteig teilt sich nach etwa zwei Dritteln. Wir biegen ab zum Ausstieg, weil wir hinauf zur Burg Drena wollen. Wer nicht genug hat, kann aber noch ein wenig weiter gehen und noch etwa 45 Minuten dranhängen. Im Topo zur Tour ist das gut beschrieben.

Den Ausstieg kann man sicher auch ohne Klettersteigset gut bewältigen.            © Outdoortraum

Für uns ist klar: Die Via Ferrata Rio Sallagoni hat sich absolut gelohnt! Eine spaßige Hangelei, wirklich schöne versteckte Ecken und traumhafte Ausblicke ins Tal – dieser Klettersteig ist toll und sehr durchdacht eingerichtet.

Ausrüstungstipp

Wer noch überlegt, welches Klettersteigset er oder sie sich zulegen soll, für die habe ich übrigens eine Empfehlung: das Skysafe II von Skylotec.