#FreitagsFrage: Welche Weihnachtsgeschenke für Outdoor-Fans kaufen?

Geschenke zu Weihnachten

Der 1. Advent steht vor der Tür und damit die alljährliche Frage, was wir unseren Lieben schenken sollen. Im Internet häufen sich die zielgruppenspezifischen Angebote und im Briefkasten wetteifern täglich Prospekte um die Gunst der Käufer. Glück hat, wer einen Outdoor-Fan beschenken darf! Denn die lieben die unverkäufliche Natur und sind oft mit gemeinsamen Aktivitäten an der frischen Luft zu begeistern. Wer es nicht dabei belassen möchte, für den sind hier ein paar Geschenkideen versammelt. Auf teure Anschaffungen für die Ausrüstung habe ich bei der Auswahl bewusst verzichtet. Stattdessen habe ich auf den Preis geachtet. Mit 8 bis 25 Euro sind alle vorgeschlagenen Weihnachtsgeschenke für Outdoor-Fans erschwinglich.

Für Alpinisten

Kletterquartett
Mit dem Kletterquartett lernt man spielend neue Routen kennen. © Outdoortraum

Was so ein echtes Alpinistenherz ist, das kriegt nie genug von den Bergen. Warum also nicht klassische und moderne Kletterrouten in den Alpen versammeln und sie in einem Quartett vorstellen? Der Panico-Verlag, bekannt für seine guten Topos, hat jedes Kärtchen liebevoll mit einer Routenskizze versehen. Das Kartenspiel eignet sich als Quartett, man kann damit aber auch UNO oder Mau-Mau spielen, wenn man etwas Fantasie mitbringt. Das Kletterquartett Alpinrouten aus dem Hause Panico kostet 8 Euro.

Für Schneehasen

Eine besonders nette Idee hatte das Team von Awesome Maps. Sie gestalten kreative Weltkarten zu unterschiedlichen Themen, so zum Beispiel für Skifahrer und Snowboarder. Nach eigener Aussage wollen sie mit ihren Karten beim Betrachter das Fernweh wecken und ihnen die Welt zeigen, „wie du sie sehen willst“. Die „Snowtrip Map“ für Skifahrer verzeichnet lohnende Skigebiete in aller Welt. Die handgefertigten Illustrationen sehen hübsch aus und laden zum Träumen ein. Ihr kennt keine Schneeliebhaber? Kein Problem: Die Karten gibt’s auch für Taucher, Surfer und viele andere Natursportarten! Also die idealen Weihnachtsgeschenke für Outdoor-Fans! Die Weltkarten gibt es ab 25 Euro.

Für Musikhörer

Obwohl eigentlich „nur“ die Musik zum gleichnamigen Film, hat es der Soundtrack „Into the Wild“ von Pearl-Jam-Frontmann Eddie Vedder zum eigenständigen Werk geschafft. Tolle Melodien und Vedders unverwechselbare Stimme sind alles, was der Naturliebhaber braucht, um sich nach draußen zu träumen. Die CD kostet nur 5,99 Euro.

Für Wanderer

Lesestoff für Outsoor-Fans
Leseratten freuen sich über passende Lektüre. © Outdoortraum

Wenn der Winter dem Wandersport eine Zwangspause verordnet, halten sich Trekking-Freunde mental fit, indem sie übers Wandern lesen. Das können sie eindrucksvoll mit dem Erlebnisbericht von Cheryl Strayed tun. In ihrer Reportage „Der große Trip“ erzählt sie, wie sie durch das Fernwandern ihre Drogensucht und ihre Beziehungsprobleme löste und schließlich das Glück fand. Wenn das nicht weihnachtlich ist! Das Taschenbuch kostet 9,99 Euro.

Für Kletterer

Kletterkalender
Der Kletterkalender ist praktisch und interessant. © Outdoortraum

Echte Kletterer wollen das ganze Jahr und jeden Tag ans Klettern denken. Glücklicherweise gibt es den Kletterkalender „Zeit im Griff“ vom Panico-Verlag. Da fällt es leicht, den nächsten Trip zu planen, zumal praktischerweise verschiedene Klettergebiete vorgestellt werden. Wer also noch Anregungen für die Reise braucht, wird hier im täglichen Termineinerlei sicher fündig. Der Kalender kostet 16,80 Euro.

Für Fotoverliebte

Diavorträge
Diavorträge über ferne Länder sind immer eine schöne Geschenkidee. © Outdoortraum

Ist die nächste Reise noch weit und erlaubt das Wetter keine Outdoor-Abenteuer, dann hilft nur die Flucht in den dunklen Vorführsaal. Es gibt verschiedene Anbieter von Filmvorführungen und Diavorträgen, die außergewöhnliche Reise- und Naturerlebnisse vorstellen. Die Vortragenden sprechen meist sehr unterhaltsam und die Bildauswahl ist hervorragend. Im Jahresprogramm finden sich bestimmt die passenden Weihnachtsgeschenke für Outdoor-Fans. Ist gerade keine Veranstaltung in der Nähe geplant, tut es notfalls ein Gutschein. Die gibt’s zum Beispiel beim Veranstalter grenzgang ab 20 Euro.

Für Naturschützer

Wer etwas für die geliebte Natur tun möchte, kann auch eine Tierpatenschaft oder eine Spende für ein Naturschutzprojekt schenken. Verschiedene Vorschläge hat etwa der WWF. Von Braunbären über Gorillas oder Haie sind Projekte auf allen Kontinenten dabei. Der Spendenbeitrag ist individuell wählbar. Als Dankeschön kann man eine Geschenkurkunde ausstellen lassen.

Naturpark Hohe Wand

VW Bulli vor der Hohen Wand

Was dem Münchener seine Maaß ist dem Wiener sein Krügerl. Was dem Münchener Kletterer sein Arco ist dem Wiener Kraxler seine „Hohe Wand“. Nur 50 Kilometer südlich von der schönsten Stadt Österreichs liegt über den Ortschaften Maiersdorf und Stollhof die bis zu 250 Meter hohe Wand. Hier finden sich schöne Mehrseillängen mit guter Absicherung und auch ein paar Sportkletterrouten. Wanderer lieben den Naturpark Hohe Wand für die dort lebenden Steinböcke und Gleitschirmflieger pilgern aufs Plateau des Massivs, um von dort abzuheben.

Wie gut es sich hier klettern lässt, beschreibt der Artikel Wiener Schmäh im Blog Climbingstories von Frank Rindermann. Dass es sich dort auch gut campieren lässt, zeigt unsere Fotostrecke. Wir sind vom Spot begeistert: von der KLetterei, dem süßen Campingplatz und der schönen Umgebung. Vielleicht schaut ihr auch mal vorbei?

Campieren mit Blick auf die Hohe Wand

Waschhaus am Campingplatz Hohe Wand
Das Waschhaus auf dem winzigen Campingplatz vor der Hohen Wand. © Outdoortraum
Hausnummer Hohe Wand
© Outdoortraum
Campingplatz Hohe Wand
© Outdoortraum

Hochplateau Naturpark Hohe Wand

Gleitschirmflieger
Bei Gleitschirmfliegern ist die Hohe Wand ein beliebter Spot. © Outdoortraum

 

Skywalk an der Hohen Wand
Der Skywalk an der Hohen Wand thront über dem Tal. © Outdoortraum
Diestel
Der Naturpark Hohe Wand ist ein alpines Paradies. © Outdoortraum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erst klettern, dann Lagerfeuer

Naturpark Hohe Wand
So sehen viele Ausstiege aus: Aus der Klettertour direkt aufs Plateau mit Wiese. © Outdoortraum
Rastplatz am Naturpark Hohe Wand
Zum Kaffee gibt’s auf dem Campingplatz das Panorama der Hohen Wand. © Outdoortraum
See mit Feuerstelle an der Hohen Wand
Nach getaner Kletterei heißt es entspannen und Lagerfeuer anzünden. © Outdoortraum

Al’Legne in Freyr: Alpine Abenteuer über der Maas

Blick auf die Maas in Freyr

Erschöpft, aber zufrieden tunke ich mein Kartoffelstäbchen in die andalusische Soße. „Auf uns!“, proste ich Heni zu, bevor ich einen Schluck hinterher spüle. Die Wand liegt mächtig vor uns. Im Tal funkelt die sich senkende Sonne im Fluss. Mit Fritten und Bier feiern wir unser überstandenes Bergabenteuer in Freyr.

Dauertremor weit über der Sicherung

Wenige Stunden ist es erst her, dass wir auf Leben und Tod mit jedem Quadratzentimeter Fels vor uns kämpften. Letzte Seillänge. Die Letzten quälenden 30 Meter, die uns vom Gipfel, von der Erlösung aus dieser Wand trennen. Die Nerven sind schon völlig blankgelegt. Zittrig kletterte ich vom Stand los. Ob meine angekratzte Psyche oder die körperliche Erschöpfung diesen Dauertremor ausgelöst hat, weiß ich nicht, macht auch nichts, habe ihn inzwischen als selbstverständlich akzeptiert. Die ersten zehn Meter gehen vergleichsweise problemlos, geradezu schon entspannt für diese Route. Ich gelange an eine überhängende Verschneidung. Selbstverständlich ordentlich speckig, selbstverständlich ordentlich über der letzten Sicherung. Sieht nicht so schwer aus, denke ich. Doch auch hier wiederholt sich die Geschichte dieser Route: weit gefehlt die Einschätzung.

Stemmen, pressen, stützen

Mich mitten in der Crux wiederfindend, entdecke ich eine hauchdünne Alibi-Sanduhr, die ich schnell fädele, um mich in eingebildeter Sicherheit wiegend laut stöhnend hoch zu stützen, zu pressen und zu stemmen. Mit fast zum Spagat gespreizten Beinen wage ich einen Blick hinunter und entdecke meine frei baumelnde Reepschnur mitsamt Expressschlinge. Sie war wohl noch dünner als gedacht, die Sanduhr. Inzwischen ungesund weit über der letzten Sicherung stehend entschließt sich meine Physis, mit einer Ganzkörpernähmaschine gegen die unkomfortable Position zu rebellieren. Leichte bis mittelschwere Hysterie steigt in mir auf. „Jetzt komm mal wieder runter“, schreie ich mich selbst an, während ich versuche, mit unkontrolliert vibrierenden Händen den 0,75er-Cam in eine völlig ungeeignete Ritze zu stopfen. Als er dort irgendwie hängen bleibt, wuchte ich mich unter nicht zu rezitierendem Wortschwall zum nächsten Haken. Die verbleibenden Meter waren reiner Genuss. Meint: Ich habe kein Mal mehr um mein Leben gefürchtet. Etwa 20 Minuten später erscheint Heni mit zum Sieg empor gerissenen Armen auf den Gipfelgrat von Freyr. Erleichterung steht ihr in Großbuchstaben ins Gesicht geschrieben.

Ausstieg über den Gipfelgrat
Der Ausstieg über den Gipelgrat in Freyr ist nicht schwer, hat aber schönes, alpines Flair. © Outdoortraum

Tapfere Belgier

Wo kann man solche Abenteuer erleben? Marmolada? Nee. Eiger? Weit gefehlt. Kaiser? Ganz kalt. Der funkelnde Fluss ist die Maas. Die Wand, die wir uns emporgekämpft haben, nennt sich Al’Legne und gehört zu den Rocher de Freyr in Belgien. Die Route: eine Kombination aus den drei klassischen Routen „L’amour“ (2 SL,TD oder 5c+/6a), „Le chainon manquant“ (1 SL D+ oder 5c) und „Le Lecomte“ (2 SL, TD oder 5c+). Stand nicht schon bei Asterix geschrieben: „Julius Cäsar hat gesagt, von allen gallischen Stämmen sind die Belgier die tapfersten?“

Kurztrip nach Freyr

Doch blicken wir an den Anfang dieser Odyssee. Ein Kurztrip führt uns nach Freyr. Beide, Heni und ich, fühlen wir uns fit für diese fünf Seillängen. Vage Erinnerungen habe ich an einzelne Teile der Route, doch inzwischen wesentlich erfahrener und mit für Belgien vergleichsweise vielen Camelots behängt, fühle ich mich mehr als gewappnet. Ebenso Heni, gerade gut im Training. Erfolgreiche Tage in der Eifel geben Mut für die Unternehmung.

Doch schon die erste Seillänge stimmt uns mit einem Piaz-Fingerriss, Speck unter den Füßen und Händen sowie wenigen, oft schwer einzuhängenden Haken auf das Kommende ein. Mit zum Platzen aufgepumpten Armen erreiche ich den Stand. Was für ein Start. In Vorausahnung studiere den Topo schon mal nach dem Chickenway, um die noch etwas schwerere zweite Seillänge umgehen zu können.

Durch die Vegetation klettern
Am Anfang geht’s noch ganz leicht … und ein bisschen durch den Gemüsegarten. © Outdoortraum

Nicht auskneifen!

Trotzdem auch Heni ihren Kaltstart in dieses Dauergepresse wenig erquicklich findet, besteht sie auf der Fortführung der Originallinie. Okay! Dann will ich auch nicht kneifen. Was ich davon habe, weiß ich, als ich kurz später unter einer überhängenden Rissverschneidung ankomme. In einer Seillänge, die in der Bewertung weit unter meinem Limit liegt, keine Ahnung zu haben, wie ich auch nur einen Zentimeter vorwärts komme, kommt mir etwas befremdlich vor. Die Verteilung der Sicherungspunkte übrigens auch. Nach einem lange andauernden, unerbittlichen Kampf zwischen mir und dem Riss kann ich einen Sieg verbuchen. Entgegen allen Instinkten bleibe ich der Freikletterethik treu und ringe dem Felsen unter ausschließlicher Nutzung von natürlichen Halte- und Trittmöglichkeiten Millimeter für Millimeter ab. Die Ästhetik bleibt hierbei eindeutig auf der Strecke. Zeitweiseweise stecken sämtliche Gliedmaßen gleichzeitig im Riss.
Wie auch immer es geschah, irgendwann stehe ich in angenehm gestuftem Schrofengelände und kletterte in Zeitlupe zum Stand. Obwohl ich Heni nicht sehen kann, weiß ich, dass sie es mir gleichtut. Die ersten Meter ziehe ich gleichmäßig Seil ein. Just dort, wo ich am Riss unter dem Überhang ankam, wird kein Seil mehr frei, um es einzuziehen. Neben diversen Schimpfwörtern dringt nur ein gelegentliches „Zu!!“ zu mir hoch. Piazzen? Klemmen? Eindrehen? Ägyptern? Keine Lehrbuchtechnik kann es mit dieser 5c-Kletterstelle aufnehmen. Die Zeit am Stand wird endlos. Endlose Zeit, um über die kommenden Längen nachzugübeln …

Hohe Wand in Freyr
Die eindrucksvolle Wand von Al’Legne in Freyr © Outdoortraum

„Le Lecomte“

Trotz weiterer Auskneifmöglichkeiten gehen wir tapfer weiter auf unserer Linie. Eine kurze, geradezu entspannte 5c-Länge führt uns zum Herzstück der Route „Le Lecomte“. Ein Doppeldach gilt es hier zu überwinden. Da können ja nur riesige Kellen warten, ist ja schließlich mit 5c+ bewertet.

Der Optimismus ist schnell dahin. Schon auf dem hakenlosen Stück zum ersten Rosti hat sich jegliches Selbstbewusstsein verabschiedet. Diverse Friends haben Behausung hinter hohlen Schuppen und in seichten Löchern gefunden. Dabei wäre etwas Nervenstärke auf der diffizilen, ach ja, und schlecht gesicherten Platte ganz nützlich. Trotz erheblichem Flattermann komme ich unter dem ersten Dach an. An einem großen Speckband traversiere ich nach links und schiebe mich ausnahmsweise einigermaßen elegant über das Dächlein. Ich finde mich auf dem Speckband stehend, die Hände tief im Untergriff im Dachgrund versenkt wieder. Nachdem sie mein Zögern bemerkt, schlägt Heni vor: „ Nach links? Da ist ein guter Haken!“ „Gute Haken gehören nicht zu dieser Tour. Rechts oben sehe ich einen rostigen! Das müsste der übernächste sein. Den dazwischen sehe ich nicht!“ Kein Wunder, es gibt keinen Haken dazwischen.

„Schaff den Zug!“

„Jetzt reicht es,“ denke ich. „Jetzt setze ich mich rein!“ Da ich innerlich bereits 1.000 Tode in dieser Route gestorben bin, ist es wohl an der Zeit, den Beelzebub nicht weiter herauszufordern. Während ich über die verlockende Möglichkeit nachdenke, zum Haken abzuklettern, zum Stand umzukehren und abzuseilen, tastet meine Hand über den Felsen oberhalb des Dachs. Wie magisch angezogen taucht mein Mittelfinger plötzlich bis zum Anschlag in ein Einfingerloch. „Ich probiere mal was!“, höre ich mich nach unten rufen. Einen Moment ausblendend, dass ich mich wieder einmal weit über der letzten und weit unter der nächsten Sicherung befinde, schwinge ich meinen rechten Fuß auf einen guten Tritt über der Dachkante und beginne, mich aus der fast horizontalen Position auf den Fuß zu schieben. Wie mir Heni später verrät, wiederhole nicht nur ich das Mantra: „Schaff den Zug! Schaff den Zug!“ Eine riesige Kelle ist die Belohnung für den Mut und noch zwei weitere führen mich zum Stand. Heni folgt. Geradezu mühelos turnt sie die Platte hoch, doch unter dem Dach ist erst mal Schluss. Doch auch sie hat inzwischen einen stoischen Trotz entwickelt und arbeitet sich unter Geschimpfe und Gezerre Stück für Stück über das Dach bis zu mir hoch.

Hoch über der Maas klettern
So hoch über der Maas möchte man nicht gern abstürzen. © Outdoortraum

„Jetzt wird’s leichter! Eine Länge nur noch“, mache ich uns Mut. Und ganz naiv glaube ich an meine Worte. Bis ich mit Ganzkörpernähmaschine, rausgebrochener Sanduhr und windigem Friend in einer überhängenden Verschneidung aufgespreizt stehe und leichte bis mittelgradige Hysterie in mir aufsteigt.

Gipfelbier über der Maß

„Prost! Auf uns!“ Die Maas funkelt in der sich senkenden Sonne. Die Wand des Al’Legne in Freyr thront gewaltig über dem Fluss. „5c+! Die spinnen die Belgier!“ „Nee, Julius Cäsar hat gesagt, von allen gallischen Stämmen seien die Belgier die tapfersten.“ „Morgen Plaisier, oder?“, frage ich Heni.

#MittwochsFoto 37

Hall of Fame

Im Messner Mountain Museum auf Schloss Sigmundskron bei Bozen werden wir von einer beeindruckenden Liste begrüßt: Rock and Ice Stars. Berühmte Namen versammelt diese Hall of Fame: Walter Bonatti, Chris Bonington, Yvon Chouinard … Ein bisschen Platz ist noch. Wer wohl in Zukunft Eingang in den Reigen der berühmten Gipfelstürmer findet?

#FreitagsFrage: Wer war Hermann Buhl?

Hermann-Buhl-Platz

Hermann Buhl ist bis heute einer der bedeutendsten Alpinisten der Welt. Der Innsbrucker wurde am 21. September 1924 als jüngstes von vier Kindern geboren. Nach dem Tod seiner Mutter wuchs er im Waisenheim auf. Schon als Kind zog es ihn in die Berge. Während des Zweiten Weltkriegs war er Gebirgsjäger unter anderem am Montecassino. 1951 heiratete er Eugenie Högerle, mit der er drei Töchter hatte.

Hermann und Eugenie
Hermann und Eugenie, abgebildet bei Uli Auffermann „Entscheidung in der Wand“.

No mountain high enough for Hermann Buhl!

Aufsehen erregte Buhl, als er 1952 die Nordostwand des Piz Badile allein beging. 1953 folgte die Alleinbegehung der Watzmann-Ostwand, und zwar im Winter und nachts. Diese aufsehenerregende Aktion sollte ihn auf die Nanga-Parbat-Expedition vorbereiten, die ihn endgültig zu Weltruhm verhalf.

Der Nanga Parbat liegt im pakistanischen Teil des Himalaja und ist 8.125 Meter hoch. Damit ist er der neunthöchste Berg der Welt. Buhl hatte an einer Expedition teilgenommen, die unter der Leitung des als autoritär geltenden Münchener Arztes Karl Herrligkoffer stand. Buhl gelang am 3. Juli 1953 die Erstbesteigung.

Nanga Parbat

Gemeinsam mit seinen Kameraden Walter Frauenberger, Hans Ertl und Otto Kempter hatte Buhl am 2. Juli 1953 das Lager 5 in 6.900 Metern Höhe erreicht. Ertl und Frauenberger stiegen von dort wieder ins Lager 4 ab, Kempter und Buhl blieben in Lager 5, um von dort am nächsten Tag den Gipfelsturm in Angriff zu nehmen.

Hermann Buhl
Hermann Buhl, abgebildet bei Uli Auffermann „Entscheidung in der Wand“

Noch in der Nacht brach Buhl schließlich allein zum Gipfel auf. Er legte enorme 1.300 Höhenmeter zurück und stand um 19 Uhr als erster Mensch auf dem Gipfel des Nanga Parbat. Kempter konnte ihm nicht folgen und musste nach einem Schwächeanfall ins Lager 5 zurückkehren. Nach 41 Stunden äußerster Anstrengung, mit Erfrierungen an den Zehen und stark dehydriert kehrte Buhl schließlich ebenfalls ins Lager zurück. Der „Schicksalsberg der Deutschen“, wie der Nanga Parbat genannt wurde, weil er schon so viele Menschenleben gekostet hatte und vielen Expeditionen widerstanden hatte – er war bezwungen. Und das sogar zum ersten Mal ohne Hilfe von zusätzlichem Sauerstoff bei einem Gipfelanstieg auf einen 8.000er. Für diese Leistung wurde Buhl zum österreichischen Sportler des Jahres 1953 ernannt.

Patscherkofel
Hinter der Gedenktafel sieht man den Patscherkofel, den Hausberg Innsbrucks.
© Outdoortraum

Absturz in der Chogolisa

Buhl wandte sich in der Folge immer mehr dem Höhenbergsteigen zu. 1957 gelang ihm die Erstbesteigung des Broad Peak (8.051 Meter) im Karakorum. Es gibt insgesamt nur zwei Bergsteiger, die zwei Achttausender erstbestiegen haben. Einer ist Kurt Diemberger, der andere – Hermann Buhl.

Die Freude über seinen zweiten 8.000er währte nicht lange. Schon am 27. Juni verunglückte Buhl tödlich bei dem Versuch die Chogolisa (7.654 Meter) in der Nähe des Broad Peak zu besteigen. Sein Leichnam wurde bis heute nicht gefunden.

Gedenktafel
Erinnerungstafel an einen wichtigen Sohn der Stadt Innsbruck.
© Outdoortraum

Wegweisend für den Alpinismus

Hermann Buhls Leistungen werden bis heute bewundert. Fast wichtiger noch ist jedoch seine Bedeutung für den Extremalpinismus. Denn Buhl versuchte, mit möglichst wenig Gepäck auszukommen und verzichtete dafür sogar auf Sauerstoff. Damit kann er als geistiger Ziehvater Reinhold Messners gelten.

Hermann Buhl
Uli Auffermann spricht in seinem Buch „Entscheidung in der Wand“ vom Abenteuerklettern.