Im Gespräch: Routenerschließer Frank Rindermann erzählt

Frank Rindermann ist seit fast 20 Jahren Kletterer aus Leidenschaft. Er bouldert, geht sportklettern und macht Mehrseillängen in alpinem Gelände, schraubt Routen und Boulder in Kletterhallen, hat früher auch als Klettertrainer gearbeitet und erschließt nun Routen. Kurz: Er liebt seinen Sport und ist stets neugierig, wenn es hier etwas Neues für ihn zu entdecken gibt. Im Gespräch erzählt er, was ihn am Erschließen reizt.

Warum richtest du Routen ein?
Nach all den verschiedenen Aspekten, die ich mittlerweile im Klettersport kennengelernt habe, war es ein neuer Reiz, dort zu klettern, wo kein Name oder Grad dransteht. Es ist toll, wenn ich rausfinden darf, ob eine Linie überhaupt kletterbar ist. Es ist etwas Besonderes, eine Linie zu entdecken und dann zu probieren, ob sie auch tatsächlich so lohnend ist, wie sie von unten aussah.

Von Unkraut und Lehm befreit, ist hier nun eine selbst abzusichernde Route. ©textwelten
Von Unkraut und Lehm befreit, ist hier nun eine selbst abzusichernde Route.
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Wie bist du dazu gekommen, Routen zu erschließen?
Wie die Jungfrau zum Kinde. Ich klettere seit fast 20 Jahren und habe mit dem Erschließen erst jetzt angefangen. Am Fels meinen eigenen Weg zu entdecken und umzusetzen war schon immer mein Wunsch, aber es hatte immer nur für Boulder irgendwo in der Pampa gereicht, die dann nirgendwo dokumentiert waren. In meiner Region (in der Eifel, Anm. d. Red.) wirkt alles sehr erschlossen. So hatte ich mit diesem Traum abgeschlossen. Erst als ich zuletzt häufiger in dem Klettergebiet der Eifel unterwegs war, wo ich bislang nicht so viel gemacht hatte (die Klettergebiete um Mayen, Anm. d. Red.), kam ich durch Zufall dazu. Ich kletterte eine bereits erschlossenen Route und entdeckte daneben einen so offensichtlich schön zu kletternden Riss, dass ich nicht anders konnte. Der Riss war von einem monströsen Farn bewachsen, aber ich wollte da unbedingt rauf. So bemühte ich mich also um die Tour, wenn es sonst schon keiner tat (die Route heißt nun „Camp 5“, Anm. d. Red.).
Die Initialzündung zum Routenerschließen kam im Peak District in England. Weil es dort keine Haken gibt und man alles selbst absichert. Man verwendet also nur mobile Sicherungsgeräte und hinterlässt keine Spuren am Fels. Von dort habe ich das Gefühl mitgebracht, die Freiheit zu haben, überall dort hochkletter zu können, wo ich möchte, solange ich die Möglichkeit habe, etwas zu legen.

In so einem Riss lassen sich mobile Sicherungen legen. ©textwelten
In so einem Riss lassen sich mobile Sicherungen legen.
©textwelten

Wie bewertest du den Schwierigkeitsgrad deiner Routen?
Ich vergleiche mit bereits gekletterten Routen im Gebiet. Das ist aber immer nicht ganz einfach. Wenn man den Grad zu hoch ansetzt, kann man den Eindruck erwecken, man wolle seine Tour schwerer (also wichtiger) machen. Setzt man den Grad zu niedrig an, kann das für den Kletterer frustrierend sein. Letztendlich hat das gerade bei so spezifischer Kletterei wie Rissen auch viel mit „liegt mir“ oder „liegt mir nicht“ zu tun.

Wie erfährt man von neuen Touren?
In Mayen gibt es eine Internetseite. Andernorts gibt es Foren im Internet oder einen Haupterschließer, einen Topo-Autor oder sonst jemanden, der sich verantwortlich fühlt. Der hält die Daten dann meistens auf dem neuesten Stand.

Was ist deine persönliche Traumlinie?
Steil. Lang. Im Kalkgestein in Südeuropa. Sinterkletterei. Bei Sportklettereien mag ich Touren die 30 Meter oder länger sind, ich liebe aber auch Mehrseillängen.

Was ist dein nächstes Traumkletterziel und warum?
Südafrika. Dort gibt es jede Menge Potenzial für Trad-Climbing-Erstbegehungen. Das reizt mich: im Kletterneuland an der Entwicklung eines Gebietes mitzuwirken. Allerdings ist auch der Peloponnes interessant. Schon vor Jahren habe ich dort viele Wände gesehen und davon geträumt, dort zu erschließen. Jetzt wird das dort unten tatsächlich vorangetrieben. Das hinterlässt das Gefühl: Hab ich’s doch gewusst! Hätt ich’s mal gemacht!

Ein rotes Band markiert den Projektstatus einer Route. Der Erschließer hat sie noch nicht selbst geklettert und nicht für allgemeine Versuche freigegeben. ©textwelten
Ein rotes Band markiert den Projektstatus einer Route. Der Erschließer hat sie noch nicht selbst geklettert und nicht für allgemeine Versuche freigegeben.
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Was glaubst du: Warum erschließen nicht mehr Kletterer selbst?
Die Freiheit, cleane Routen zu erschließen, gibt es nur, wenn man sie auch absichern kann. Zudem setzt es den sicheren Umgang mit Friends & Co. voraus. Sonst muss man mit der Bohrmaschine ran. Das ist mühsam und auch sonst nicht immer unproblematisch. Aber viele Kletterer träumen davon, ihren eigenen Weg zu erschließen. Manche machen das dann auch.

Warum hat es bei dir so lange gedauert?
Weil ich „der Linie“ vorher nicht begegnet bin. Zudem hatte ich bis vor Kurzem mit Rissklettern wenig am Hut. Zudem wollte ich nicht ohne erstmalige Anleitung Bohrhaken setzen, denen andere Kletterer ihre Gesundheit anvertrauen.

Wer noch mehr wissen will: Zum Thema kann man hier außerdem nachlesen, wie Routen genau an den Felsen kommen. Einen Artikel über den PeakDistrict gibt es im Blog auch nachzulesen.

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