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Frosch

Dieser grüne Frosch lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Es sitzt am Ufer eines Sees im Donaudelta in Rumänien und scheint uns Menschen nicht zu scheuen. Mit Seelenruhe lässt er sich betrachten und fotografieren. Vielleicht macht ihn die friedliche Stimmung der Landschaft ebenso gelassen wie uns?

Foto: © Frank Rindermann
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5 Gründe, nach Rumänien zu fahren

Donaudelta

Als wir beschlossen, nach Rumänien zu reisen, ernteten wir ungläubige Blicke. Es folgten Fragen: „Wieso denn nach Rumänien?“, „Was wollt ihr denn da?“, „Habt ihr keine Angst, dass ihr überfallen werdet, euer Auto geklaut wird, vom Bären angegriffen werdet?“ Die häufigste Reaktion war also Unverständnis. Schade eigentlich, denn Rumänien ist ein fantastisches Reiseland und hat viel zu bieten. Deshalb hier meine fünf Hauptgründe, warum es sich lohnt, nach Rumänien zu fahren.

Grund 1: Die Menschen

Man soll zwar nicht in Stereotypen sprechen, aber ich habe wirklich nur freundliche Menschen getroffen. Und das, obwohl mir viele arme Leute begegnet sind, die auf meinen im Vergleich großen Reichtum auch anders hätten reagieren können. Immerhin konnte ich mir die weite Reise in ihr Land leisten. Meine erste Rumänienreise war 2003, da war das Land noch nicht in der Europäischen Union. Touristen gab es so gut wie keine. Fließendes Wasser gab es auf dem Land oft nicht, stattdessen wurde das Wasser vom Dorfbrunnen geholt. Als große Neuerung waren damals kurz zuvor Gasleitungen gelegt worden, sodass jedes Haus immerhin über eine Gaslampe und einen Gasofen verfügte. Autos gab es kaum, dafür Pferdefuhrwerke. 2017 hat sich in dieser Hinsicht einiges getan. Strom, Gas, fließendes Wasser, Autos: Das sind alles keine Ausnahmen mehr. Zwar geht es den meisten Menschen wirtschaftlich immer noch nicht so gut wie dem Durchschnittsdeutschen, aber insgesamt hat sich der Lebensstandard seit damals verbessert. Gleich geblieben ist die Freundlichkeit der Menschen, die mir stets mit Interesse begegnet sind.

Grund 2: Vielseitige Landschaften

Rumänien hat atemberaubende Landschaften, die auch noch sehr vielseitig sind. Berühmt sind die Karpaten, die sich sichelförmig durch Osteuropa ziehen und einen Großteil des Landesinneren Rumäniens einnehmen. Der höchste Gipfel in Rumänien ist mit 2.544 Metern die Moldoveanu-Spitze. Zum Vergleich: Der höchste Berg Deutschlands ist die 2.962 Meter hohe Zugspitze. Viele Höhenzüge des Landes sind bewaldet. In Rumänien befindet sich das größte zusammenhängende Waldgebiet Europas. In diesen dichten Wäldern leben beeindruckende zwei Drittel aller europäischen Großraubtiere. Das sind vor allem Bären, Wölfe und Luchse.

Boot im Donaudelta
Mit dem Boot durchs Donaudelta © Outdoortraum

Dann gibt es noch das riesige Donaudelta – 5.800 Quadratkilometer ist es groß. Die Donau verzweigt sich in drei Hauptarme und viele winzige Nebenflüsschen und Seen, bevor sie ins Schwarze Meer mündet. Der Großteil des Gebiets steht heute unter Naturschutz. Man kann die Gewässer mit geführten Bootstouren erkunden, was auch wir gemacht haben. Das ist sehr faszinierend, weil man irgendwann nicht mehr weiß, was Festland und was Fluss ist. Mitten im Wasser bilden sich Inseln aus Schilf und anderen Gewächsen, die von vielen seltenen Vögeln bewohnt werden. 325 Vogelarten halten sich hier regelmäßig auf. Im Donaudelta lebt außerdem die größte Pelikankolonie Europas.

Grund 3: Abenteuer

Mein Eindruck: Rumänien ist ein bisschen anarchistisch. Natürlich gibt es für alles irgendwelche Regeln und Gesetze, ganz wie in anderen Demokratien Europas auch. Aber oft werden die eher als Vorschlag begriffen. Beispiel Sohodol-Schlucht: Hier hingen überall Schilder, dass Klettern, Picknicken und Feuermachen verboten sind. Unter den Schildern tummelten sich die rumänischen Großfamilien zum Sonntagspicknick, wärmten sich am Lagerfeuer und sahen uns beim Klettern zu. Übrigens: Das Klettern haben wir uns dort nur getraut, weil uns eine einheimische Seilschaft darüber aufklärte, was es mit dem Kletterverbot auf sich habe. Die Schilder waren angeblich nämlich nur aufgehängt worden, um irgendwelche „Aufpasser von der EU“ zufriedenzustellen. Ja, hätten wir das auch geklärt.

Abenteuerlich sind aber auch manche Schlafgelegenheiten. Wir waren mit unserem Camper unterwegs. Laut den Rumänen hätten wir uns getrost überall hinstellen können. Wir sahen das nicht ganz so locker, immerhin gibt es einige schützenswerte Natur und die Verbotsschilder machten auf uns trotz gegenteiliger Beteuerungen Eindruck. Wo wir aber in freier Natur standen, erlebten wir das als Abenteuer. So zum Beispiel direkt am Schwarzmeerstrand unterhalb einer Klippe, wo wir unsere Hippieträume ausleben konnten.

Thermalbad in Rumänien
Thermalbaden auf rumänisch © Outdoortraum

Abenteuerlich waren aber auch die Gelegenheiten, als wir ins rumänische Leben eintauchten. In Herkulesbad zum Beispiel wollten wir es den Rumänen gleichtun und die Heilbäder besuchen. Das stellte sich aber als gar nicht so leicht heraus, da schön aufbereitete Thermalbäder eher Mangelware sind. Stattdessen hocken sich die Einheimischen unter freiem Himmel mit 20 anderen Nackten in ein enges Betonkarree im Hinterhof. Spannend!

Grund 4: Die Kultur

Rumänien ist ein Vielvölkerstaat. Hier leben natürlich die Rumänen und dann noch ein paar Volksgruppen, die zwar ebenfalls Rumänen sind, aber einen anderen kulturellen Hintergrund haben. Dazu gehören vor allem die Roma, die Ungarn und die Deutschen. All diese Volksgruppen haben ihre kulturellen Einflüsse mitgebracht. Das zeigt sich in der Architektur, der Sprache, dem Essen, bestimmten Festen und der Kleidung. Manche Bevölkerungsgruppen haben sich verstärkt in einer bestimmten Region angesiedelt. Reist man von der einen Gegend in die andere, lassen sich die Unterschiede oft schon mit einem Blick aus dem Fenster feststellen.

Sighisoara oder Schäßburg
Sighisoara oder zu Deutsch Schäßburg © Frank Rindermann

Wer sich für Kulturelles interessiert, wird in Rumänien mehr als fündig. Berühmt sind die Moldauklöster mit ihren reichen Holzverzierungen und kostbaren Ikonen. Die touristisch am meisten erschlossene Gegend ist wohl Siebenbürgen, wo sich mittelalterliche Stadtkerne bestaunen lassen. Natürlich ist auch das Dracula-Schloss einen Besuch wert und auch die trutzigen Kirchenburgen sollte man nicht verpassen. Das und noch viel mehr gibt es zu entdecken!

Grund 5: Wildlife

Bei den vielseitigen Landschaften habe ich schon erwähnt, wie reich die Flora und Fauna Rumäniens ist. Tierliebhaber kommen hier also voll auf ihre Kosten. Einem Bären möchte man vielleicht lieber nicht in freier Wildbahn begegnen. Wer trotzdem einen zu Gesicht bekommen will, hat dazu im Bärenreservat Zarnesti Gelegenheit. Da die Bären nicht gestört werden sollen, ist eine Anmeldung erforderlich.

Ein Traum für Ornithologen ist natürlich das Donaudelta, aber auch sonst sind viele Vögel zu beobachten. Insbesondere Störche sieht man in fast jedem Dorf, denn hier finden sie oft Vorrichtungen für ihre Nester. Die Einheimischen freuen sich über nistende Störche, denn die gelten als Glücksbringer.

Störche in Rumänien
Störche in Rumänien © Outdoortraum

Worauf wir vor unserer Reise ebenfalls oft angesprochen wurden, waren die Straßenhunde. Davon gibt es in Rumänien tatsächlich viele, auch wenn die Regierung mit rüden Methoden gegen ihre Ausbreitung vorgeht. Obwohl wir in manchen Situationen schon ein wenig Respekt hatten – in der Turda-Schlucht stand unser Camper mitten in einem Rudel von Wildhunden, die uns beäugten – haben wir nur gute Erfahrungen gemacht. Die meisten Streuner sind von sich aus vorsichtig und vor allem auf Futter aus. Bekommen sie das, werden sie sogar anhänglich. Wir haben die Vierbeiner eher als freundliche Haustiere auf Zeit betrachtet. Angst haben sie uns nicht gemacht.

Auf nach Rumänien!

Solltet ihr nach diesem heißen Plädoyer für Rumänien immer noch zögern, sei betont, dass die Straßen viel besser geworden sind, ihr bestimmt alles kaufen könnt, was ihr benötigt (und noch einiges Unnötige dazu!) und die Kriminalitätsrate laut Statistik niedriger ist als in Deutschland. Fahrt ihr hin, werdet ihr einen Urlaub erleben, den ihr so schnell nicht vergesst. Versprochen!

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#MittwochsFoto 54

Sonnenuntergang

Ich habe schon viele tolle Himmel gesehen, aber selten hat mich ein Lichtspiel so beeindruckt wie dieser Sonnenuntergang am Rande der Karpaten in Rumänien. Der Tag war wechselhaft gewesen, immer wieder hatte es geregnet, doch zum Abend hin klarte es langsam auf. Hier kämpft sich die untergehende Sonne noch einmal mit aller Macht durch die Wolkenberge und färbt sie rot, gelb und fast lila ein. Zu wissen, dass ich dieser Himmel über die weiten der rumänischen Wälder spannt, hat auf ganz eigene Art etwas beruhigendes.

Foto: © Frank Rindermann
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Kopf des Monats: Wolfgang Güllich

Wolfgang Güllich

Wolfgang Güllich (*1960 in Ludwigshafen, +1992 in Ingolstadt) war ein deutscher Kletterer. Er ist bis heute weltberühmt, weil er wesentlich zur Entwicklung des Sportkletterns und insbesondere der Freikletterbewegung beigetragen hat. Viele seiner Erstbegehungen gehören noch heute zu den schwierigsten Routen und haben Weltrang.

Anfänge

Güllich begann 1975 als Teenager mit dem Klettern an den heimischen Felsen in der Pfalz. Dort machte er rasch Fortschritte und erregte Aufsehen, als er 1977 den berühmten „Jubiläumsriss“ (7–) in der Pfalz nicht mit technischen Hilfsmitteln hochkletterte, wie es bis dahin noch meist der Fall war. Stattdessen kletterte er frei, das heißt, er benutzte zwar ein Seil und mobile Sicherungsgeräte, die dienten aber nur als Schutz bei einem Sturz. Er verwendete sie nicht als Kletterhilfen.

Kletter-WG

1982 zog Wolfgang Güllich in die Fränkische Schweiz und dort mit seinem nicht minder berühmten Seilpartner Kurt Albert zusammen. In ihrer Wohngemeinschaft in Oberschöllenbach tummelten sich bald Kletterer aus aller Welt. Stammgäste und enge Freunde waren die britischen Kletterer Jerry Moffatt und Ben Moon.

Wolfgang Güllich sammelt Rekorde

Über Jahre brach Güllich mit seinen Erstbegehungen einen Rekord nach dem anderen und legte die Latte im Sportklettern immer höher. Mit den Routen „Ghettoblaster“ (X), „Punks in the Gym“ (X+), „Wall Street“ (X–) und einigen anderen schuf er Klassiker und beging nicht nur einmal die jeweils bis dahin schwerste Route seiner Zeit. 1991 kletterte er sein Glanzstück „Action Directe“ (XI) und eröffnete damit den elften Grad im Sportklettern. Erst 2001 konnte Chris Sharma mit „Realization“ (XI+) diesen Schwierigkeitsgrad einholen.

Wolfgang-Guellich-Grab_von Kassandro
Wolfgang Güllichs Grab © Kassandro

Wegweiser

Immer wieder wird gesagt, dass Güllich mit seinem Können seiner Zeit weit voraus war. Das lag sicher nicht nur an seinem großen Talent, sondern auch an seinem eisernen Willen und seiner akribischen Vorbereitung. Er ist bis heute berühmt für seinen einarmigen Klimmzug, der ihm sogar zu einer Rolle als Sylvester Stallones Double im Film „Cliffhanger“ verhalf. Verewigt hat sich Güllich mit seiner Trainingsmethode in fast jeder Kletterhalle: Dort hängen die sogenannten Campus-Boards (genannt nach dem Fitnessstudio, in das er stets ging und in dem er an einem solchen Board selbst trainierte). Diese Bretter mit Leisten und Fingerlöchern nutze Güllich, um sich penibel auf bestimmte Bewegungsabfolgen in bestimmten Routen vorzubereiten. Dabei unterschied er genau, ob er für einen Zug statische oder dynamische Bewegungen ausführen musste. Wer sich Güllich auf Youtube in Aktion anschaut, sieht, wie geschmeidig das Ergebnis seines Trainings aussieht!

Früher Tod

Wolfgang Güllich starb 1992 bei einem Autounfall mit nur 31 Jahren. Sein Grab in Obertrubach ist zu einer Pilgerstätte für Sportkletterer geworden. Sein Werk hat bis heute bestand, seine Routen gehören noch immer zu den schwersten der Welt und werden gerne von jüngeren Ausnahmekletterern als Herausforderung gesehen, sich posthum mit ihrem Idol zu messen. Die Liste der Wiederholer von „Action Directe“ liest sich wie das Who’s who der internationalen Sportkletterer: Dave Graham, Christian Bindhammer, Markus Bock, Kilian Fischhuber, Adam Ondra und Alex Megos, um nur einige zu nennen. Zum Abschluss ein Video, in dem ihr Jan Hojer in Güllichs „Action Directe“ bestaunen könnt.

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#MittwochsFoto 53

Huel Lee oder Hohllay-Höhle in Berdorf

Berdorf ist unter Kletterern mittlerweile als Sandstein-Kleinod bekannt. Aber auch wandern kann man in der Luxemburgischen Schweiz sehr gut. Empfohlen sei ein Abstecher zur Huel Lee oder Hohllay-Höhle in der Nähe von Berdorf. Hier wurden schon von den Römern Mühlsteine gebrochen, was noch gut an den runden Ausbuchtungen zu erkennen ist. In der Nähe der geräumigen Höhle befindet sich auch ein kleines Amphitheater idyllisch im Wald gelegen, wo noch heute Konzerte stattfinden.

Foto: © Frank Rindermann
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