Kindheit ohne Bäume: Kindern fehlt Kontakt zur Natur

Eine Umfrage des Forschungsinstituts Emnid fand heraus, dass Kinder in Deutschland mit immer weniger Kontakt zur Natur aufwachsen. Die wenigsten dürfen auf Bäume klettern, unbeaufsichtigt im Wald spielen oder im Bach Staudämme bauen. Auch die Möglichkeit, Wildtiere zu beobachten, ist eher selten.

Die Erhebung wurde von der Deutschen Wildtier Stiftung in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: 49 Prozent aller deutschen Kinder zwischen vier und zwölf Jahren sind noch nie selbstständig auf einen Baum geklettert!

Kraxeln auf Bäumen fördert die Beweglichkeit. © jutta rotter/pixelio.de
Kraxeln auf Bäumen fördert die Beweglichkeit.
© jutta rotter/pixelio.de

Ausnahme: Spielen in der Natur

Früher war es selbstverständlich, dass Kinder allein im Wald oder am Bach spielen. Heute ist das eher die Ausnahme. Michael Miersch ist Geschäftsführer des Forums Bildung Natur, dem Bildungszweig der Deutschen Wildtier Stiftung. Er sieht den Grund für den mangelnden Kontakt der Kinder mit der Natur vor allem bei den Eltern. Die seien ängstlicher als früher und fänden es gefährlich, die Kinder allein in den Wald zu lassen.

Nur wer die Gefahr kennt, kann sie auch einschätzen. © Ruth Rudolph/pixelio.de
Nur wer die Gefahr kennt, kann sie auch einschätzen.
© Ruth Rudolph/pixelio.de

Emnid stellte rund 1.000 Eltern folgende Frage: „Eine Mutter erlaubt ihrem zehnjährigen Sohn, mit einem Freund im Wald zu spielen. Die Mutter des Freundes ist dagegen. Sie findet, das ginge nur, wenn ein Erwachsener auf die Kinder aufpasst. Wer hat Ihrer Meinung nach Recht?“ Das Ergebnis bestätigt die Angst der Eltern: 53 Prozent der Befragten würden ihr Kind nur in Begleitung eines Erwachsenen in den Wald lassen.

Wissen über Natur schwindet rasant

Damit ist der Kontakt mit der Natur und den dort lebenden Pflanzen und Tieren natürlich auf ein Minimum reduziert. Michael Miersch dazu: „Das elementare Wissen über Wildtiere und Pflanzen vor unserer Haustür schwindet rasant.“ Dabei ist mittlerweile wissenschaftlich belegt, wie wichtig das Spielen in freier Natur für die Entwicklung der Kinder ist. Der Kontakt mit der Natur fördert motorische Fähigkeiten, das Sprachvermögen, das Selbstbewusstsein und die soziale Kompetenz. Michael Miersch sieht es deshalb als gesellschaftliche Herausforderung an, Kindern mehr Naturerfahrungen zu verschaffen.

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