Klettern in Rumänien: Rimetea

Rimetea

Rumänien hat eine atemberaubende Natur und wird zu weiten Teilen von den Karpaten beherrscht. Da muss man einfach klettern können! Grund genug für uns, hinzufahren und uns die Kletterei genauer anzusehen. Unsere erste Kletterstation führt uns nach Rimetea.

Kleiner Ort, großer Berg

Rimetea ist ein kleines Dorf mit nur knapp 1.000 Einwohnern. Es liegt zwar in Siebenbürgern, wo sich in grauer Vorzeit viele deutschsprachige Menschen niedergelassen haben. Geprägt ist der Ort aber von der ungarischen Minderheit, den Szeklern, die ebenfalls in Rumänien lebt. Denn Rumänien ist ein Vielvölkerstaat – einer der 5 Gründe, warum es sich lohnt, nach Rumänien zu fahren.

Historische Höfe in Rimetea
Historische Höfe in Rimetea © Outdoortraum

Torockó oder Eisenburg, wie Rimetea auf Ungarisch oder Deutsch auch genannt wird, ist bekannt, weil fast der gesamte Ort unter Denkmalschutz steht. Historische Höfe aus verschiedenen Jahrhunderten reihen sich aneinander. Beim Schlendern durch die buckligen Kopfsteinpflastergassen fühle ich mich in eine andere Zeit versetzt. Die Bauern am Dorfrand sensen ihr Heu noch mit der Hand und fahren die Ernte mit dem Handkarren ein. Für mich ein malerisches Bild, für die Menschen Knochenarbeit.

Doch genau aus diesem Grund kommen einige Touristen – meist aus Ungarn – hierher, um das idyllische Dorf mitten im Naturschutzgebiet zu bewundern. Rimetea liegt wie hingegossen vor dem großen Berg im Hintergrund, der über seine Menschen zu wachen scheint. Stolz erhebt sich der Piatra Secuiului (Deutsch: Szeklerstein). Und genau da wollen wir rauf.

Blick auf Rimetea
Blick auf Rimetea vom Piatra Secuiului © Outdoortraum

Klettern? Wieso klettern?

Wir haben uns vor der Abreise nämlich informiert und in Erfahrung gebracht, dass in Rimetea alljährlich ein Kletterfestival stattfindet – die Rimetea Climbing Open. Tatsächlich sehen wir auch noch alte Plakate. Bei unserer Ankunft im Juli ist aber schon alles vorbei. Nicht schlimm. Wir spekulieren auf die vielen Routen im Fels, die bei solchen Festivals für die Gäste eingerichtet werden. Und bestimmt hat sich der Ort als Kletterspot etabliert. Da können wir dann mit Einheimischen loslegen!

Das stellt sich aber schnell als Illusion heraus. Im Ort weiß keiner etwas vom Klettern. In der Touristeninfo drücken sie uns auf Nachfrage eine Wanderkarte in die Hand. Das macht man hier am Berg: Wandern, nicht klettern.

Rimetea auf eigene Faust

Dank Internet und dem leider ziemlich schlechten Klettertopo wissen wir aber, dass man hier klettern kann. Also ziehen wir auf eigene Faust los. Wir kämpfen uns mit allem Gepäck den ziemlich steilen Berg hoch und steuern die Wände an, die in unseren Augen einfach beklettert werden müssen. Wir schlittern über Schuttfelder, rutschen Holperpisten entlang und bahnen uns unseren Weg durch hüfthohe Brennnesselfelder. Immer auf der Suche nach einem in der Sonne blitzenden Bohrhaken oder einem Routennamen am Fels.

durch die Brennnesseln
Durch die Brennnesseln, an Giftschlangen vorbei … © Outdoortraum

Schließlich werden wir fündig. Kein Routenname, aber eindeutig Bohrhaken. Der Topo weiß zwar von nichts, aber die Tour sieht machbar aus. Also steigen wir ein. Die Zuversicht ist wieder da. Hurra, wir sind in ein Seil eingebunden und klettern endlich in Rumänien!

Der kurz entflammte Enthusiasmus fällt aber binnen Minuten in sich zusammen. Der Fels ist noch überhaupt nicht abgeklettert. Die Reibung ist schlecht, weil noch überall Sand und Staub auf der Wand liegen. Schlimmer noch: Beim Klettern halten wir plötzlich den einen oder anderen Griff in der Hand, weil die brüchigen Felsstücke noch nicht entfernt wurden. Wir bleiben trotzdem dran, immerhin klettern wir ja weit unter unserem Limit. Was soll da schon passieren? So ermuntern wir uns, bis Frank im Vorstieg an eine dann doch nicht zu unterschätzende Krux gelangt. Bei eben beschriebener Felsqualität soll er in Grounder-Höhe einen ziemlich wackligen Zug gegen die offene Tür machen. Der Haken? Glänzt weit über ihm, drei Züge entfernt. Frank beißt die Zähne zusammen und macht den Zug. An einer abschüssigen Mikroleiste kann er weiterschnappen, hat etwas leidlich Gutes in der Hand und kann den Fuß höher setzen. Weitergegriffen – die Passage ist überstanden und er kann klippen.

Wir sind beide erleichtert, haben aber für den Tag genug geklettert. Wir packen ein und sagen uns, dass der Sektor ja ohnehin nicht im Topo steht. Weiter oben am Berg, da muss es besser sein.

Neuer Tag, neue Demut

Am nächsten Tag ziehen wir wieder los, die Gipfelregion im Visier. Inzwischen haben wir uns im Ort schlaugemacht. Übers Klettern wissen wir zwar nicht mehr, dafür kenne ich jetzt aber fünf giftige Schlangenarten, die hier zu Hause sind. Prima!

Anstieg auf den Piatra Secuiului
Anstieg auf den Piatra Secuiului © Outdoortraum

Mit diesem Wissen kämpfe ich mich ziemlich unentspannt durch das Gebüsch, denn Trampelpfade oder Wegweiser zu Kletterspots sind auch heute Fehlanzeige. Wir haben uns aber eine Bergflanke ausgeguckt, an der wir ein paar vielversprechende Sektoren vermuten.

Und richtig: Vor uns hatten Leute schon die Idee, hier zu klettern. Wir finden einige Linien in diversen Schwierigkeitsgraden. Für den Fels gilt leider das Gleiche wie gestern: wenig abgeklettert, deshalb noch staubig-rutschig und zum Teil brüchig. Hier oben kommt an manchen Stellen noch ein wenig Feuchtigkeit dazu, von der lassen wir uns aber nicht einschüchtern.

Felswand über Rimetea
Felswand über Rimetea © Outdoortraum

Beim Klettern merken wir, dass auch hier die Haken mitunter etwas merkwürdig gesetzt sind. Es wirkt, als seien die Routen nicht von unten beim Besteigen eingebohrt worden, sondern von oben. Die Haken sind oft nicht an der Krux eingebohrt, sondern immer genau einen Tick zu hoch. Außerdem müssen wir des Öfteren die Linie fast verlassen, um zu klippen. Wir erklären uns das mit den Festivalrouten, die ja oft in kurzer Zeit schnell eingebohrt werden müssen. Da bleiben solche Feinheiten vielleicht mal auf der Strecke.

Nach ein paar Routen fühlen wir uns abgekämpft und mental völlig ausgelutscht. Wir finden keinen der angegebenen Sektoren, die Sonne brennt, weil die Ausrichtung der Wand nicht Nord ist, wie der Topo behauptet, sondern Süd. Überall wachsen Brennnesseln und darin lauern Giftschlangen. Ein Routenname bringt unsere Verfassung auf den Punkt: Fraktura de Ego. Wir gehen nach Hause in unseren Camper.

Fraktura di ego © Frank Rindermann

Klettern Flop, Rimetea top!

Das Klettern in Rimetea hat für uns ein bisschen gefloppt. Wir haben das starke Gefühl, noch mehr Infos zu benötigen, da wir uns ohne vor Ort nicht zurechtfinden können. Der Topo von Gerald Krug, erschienen im Geoquest-Verlag, ist leider der einzige in Deutschland erhältliche Kletterführer und ziemlich schlecht recherchiert. Wir mussten das auch in anderen Klettergebieten im Land immer wieder feststellen. Für das nächste Mal nehmen wir uns vor, noch mehr Infos im Internet zu sammeln. Denn, obwohl die Kletterei nicht so geklappt hat, wie wir es uns erträumt haben, ist für uns klar: Es wird ein nächstes Mal geben! Den der Fels ist grundsätzlich toll, wenn er erst einmal abgeklettert ist. Und die Natur ist wunderschön. Und Rimetea ist ein Kleinod! Das wollen wir alles noch einmal unter besseren Vorzeichen sehen!

Für dieses Mal aber packen wir unsere sieben Klettersachen und ziehen weiter klettern durch Rumänien. Nächste Station: die Turda-Schlucht. Wie es uns dort ergangen ist, könnt ihr demnächst hier nachlesen.

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Kopf des Monats: Wolfgang Güllich

Wolfgang Güllich

Wolfgang Güllich (*1960 in Ludwigshafen, +1992 in Ingolstadt) war ein deutscher Kletterer. Er ist bis heute weltberühmt, weil er wesentlich zur Entwicklung des Sportkletterns und insbesondere der Freikletterbewegung beigetragen hat. Viele seiner Erstbegehungen gehören noch heute zu den schwierigsten Routen und haben Weltrang.

Anfänge

Güllich begann 1975 als Teenager mit dem Klettern an den heimischen Felsen in der Pfalz. Dort machte er rasch Fortschritte und erregte Aufsehen, als er 1977 den berühmten „Jubiläumsriss“ (7–) in der Pfalz nicht mit technischen Hilfsmitteln hochkletterte, wie es bis dahin noch meist der Fall war. Stattdessen kletterte er frei, das heißt, er benutzte zwar ein Seil und mobile Sicherungsgeräte, die dienten aber nur als Schutz bei einem Sturz. Er verwendete sie nicht als Kletterhilfen.

Kletter-WG

1982 zog Wolfgang Güllich in die Fränkische Schweiz und dort mit seinem nicht minder berühmten Seilpartner Kurt Albert zusammen. In ihrer Wohngemeinschaft in Oberschöllenbach tummelten sich bald Kletterer aus aller Welt. Stammgäste und enge Freunde waren die britischen Kletterer Jerry Moffatt und Ben Moon.

Wolfgang Güllich sammelt Rekorde

Über Jahre brach Güllich mit seinen Erstbegehungen einen Rekord nach dem anderen und legte die Latte im Sportklettern immer höher. Mit den Routen „Ghettoblaster“ (X), „Punks in the Gym“ (X+), „Wall Street“ (X–) und einigen anderen schuf er Klassiker und beging nicht nur einmal die jeweils bis dahin schwerste Route seiner Zeit. 1991 kletterte er sein Glanzstück „Action Directe“ (XI) und eröffnete damit den elften Grad im Sportklettern. Erst 2001 konnte Chris Sharma mit „Realization“ (XI+) diesen Schwierigkeitsgrad einholen.

Wolfgang-Guellich-Grab_von Kassandro
Wolfgang Güllichs Grab © Kassandro

Wegweiser

Immer wieder wird gesagt, dass Güllich mit seinem Können seiner Zeit weit voraus war. Das lag sicher nicht nur an seinem großen Talent, sondern auch an seinem eisernen Willen und seiner akribischen Vorbereitung. Er ist bis heute berühmt für seinen einarmigen Klimmzug, der ihm sogar zu einer Rolle als Sylvester Stallones Double im Film „Cliffhanger“ verhalf. Verewigt hat sich Güllich mit seiner Trainingsmethode in fast jeder Kletterhalle: Dort hängen die sogenannten Campus-Boards (genannt nach dem Fitnessstudio, in das er stets ging und in dem er an einem solchen Board selbst trainierte). Diese Bretter mit Leisten und Fingerlöchern nutze Güllich, um sich penibel auf bestimmte Bewegungsabfolgen in bestimmten Routen vorzubereiten. Dabei unterschied er genau, ob er für einen Zug statische oder dynamische Bewegungen ausführen musste. Wer sich Güllich auf Youtube in Aktion anschaut, sieht, wie geschmeidig das Ergebnis seines Trainings aussieht!

Früher Tod

Wolfgang Güllich starb 1992 bei einem Autounfall mit nur 31 Jahren. Sein Grab in Obertrubach ist zu einer Pilgerstätte für Sportkletterer geworden. Sein Werk hat bis heute bestand, seine Routen gehören noch immer zu den schwersten der Welt und werden gerne von jüngeren Ausnahmekletterern als Herausforderung gesehen, sich posthum mit ihrem Idol zu messen. Die Liste der Wiederholer von „Action Directe“ liest sich wie das Who’s who der internationalen Sportkletterer: Dave Graham, Christian Bindhammer, Markus Bock, Kilian Fischhuber, Adam Ondra und Alex Megos, um nur einige zu nennen. Zum Abschluss ein Video, in dem ihr Jan Hojer in Güllichs „Action Directe“ bestaunen könnt.

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#FreitagsFrage: Welche Weihnachtsgeschenke für Outdoor-Fans kaufen?

Geschenke zu Weihnachten

Der 1. Advent steht vor der Tür und damit die alljährliche Frage, was wir unseren Lieben schenken sollen. Im Internet häufen sich die zielgruppenspezifischen Angebote und im Briefkasten wetteifern täglich Prospekte um die Gunst der Käufer. Glück hat, wer einen Outdoor-Fan beschenken darf! Denn die lieben die unverkäufliche Natur und sind oft mit gemeinsamen Aktivitäten an der frischen Luft zu begeistern. Wer es nicht dabei belassen möchte, für den sind hier ein paar Geschenkideen versammelt. Auf teure Anschaffungen für die Ausrüstung habe ich bei der Auswahl bewusst verzichtet. Stattdessen habe ich auf den Preis geachtet. Mit 8 bis 25 Euro sind alle vorgeschlagenen Weihnachtsgeschenke für Outdoor-Fans erschwinglich.

Für Alpinisten

Kletterquartett
Mit dem Kletterquartett lernt man spielend neue Routen kennen. © Outdoortraum

Was so ein echtes Alpinistenherz ist, das kriegt nie genug von den Bergen. Warum also nicht klassische und moderne Kletterrouten in den Alpen versammeln und sie in einem Quartett vorstellen? Der Panico-Verlag, bekannt für seine guten Topos, hat jedes Kärtchen liebevoll mit einer Routenskizze versehen. Das Kartenspiel eignet sich als Quartett, man kann damit aber auch UNO oder Mau-Mau spielen, wenn man etwas Fantasie mitbringt. Das Kletterquartett Alpinrouten aus dem Hause Panico kostet 8 Euro.

Für Schneehasen

Eine besonders nette Idee hatte das Team von Awesome Maps. Sie gestalten kreative Weltkarten zu unterschiedlichen Themen, so zum Beispiel für Skifahrer und Snowboarder. Nach eigener Aussage wollen sie mit ihren Karten beim Betrachter das Fernweh wecken und ihnen die Welt zeigen, „wie du sie sehen willst“. Die „Snowtrip Map“ für Skifahrer verzeichnet lohnende Skigebiete in aller Welt. Die handgefertigten Illustrationen sehen hübsch aus und laden zum Träumen ein. Ihr kennt keine Schneeliebhaber? Kein Problem: Die Karten gibt’s auch für Taucher, Surfer und viele andere Natursportarten! Also die idealen Weihnachtsgeschenke für Outdoor-Fans! Die Weltkarten gibt es ab 25 Euro.

Für Musikhörer

Obwohl eigentlich „nur“ die Musik zum gleichnamigen Film, hat es der Soundtrack „Into the Wild“ von Pearl-Jam-Frontmann Eddie Vedder zum eigenständigen Werk geschafft. Tolle Melodien und Vedders unverwechselbare Stimme sind alles, was der Naturliebhaber braucht, um sich nach draußen zu träumen. Die CD kostet nur 5,99 Euro.

Für Wanderer

Lesestoff für Outsoor-Fans
Leseratten freuen sich über passende Lektüre. © Outdoortraum

Wenn der Winter dem Wandersport eine Zwangspause verordnet, halten sich Trekking-Freunde mental fit, indem sie übers Wandern lesen. Das können sie eindrucksvoll mit dem Erlebnisbericht von Cheryl Strayed tun. In ihrer Reportage „Der große Trip“ erzählt sie, wie sie durch das Fernwandern ihre Drogensucht und ihre Beziehungsprobleme löste und schließlich das Glück fand. Wenn das nicht weihnachtlich ist! Das Taschenbuch kostet 9,99 Euro.

Für Kletterer

Kletterkalender
Der Kletterkalender ist praktisch und interessant. © Outdoortraum

Echte Kletterer wollen das ganze Jahr und jeden Tag ans Klettern denken. Glücklicherweise gibt es den Kletterkalender „Zeit im Griff“ vom Panico-Verlag. Da fällt es leicht, den nächsten Trip zu planen, zumal praktischerweise verschiedene Klettergebiete vorgestellt werden. Wer also noch Anregungen für die Reise braucht, wird hier im täglichen Termineinerlei sicher fündig. Der Kalender kostet 16,80 Euro.

Für Fotoverliebte

Diavorträge
Diavorträge über ferne Länder sind immer eine schöne Geschenkidee. © Outdoortraum

Ist die nächste Reise noch weit und erlaubt das Wetter keine Outdoor-Abenteuer, dann hilft nur die Flucht in den dunklen Vorführsaal. Es gibt verschiedene Anbieter von Filmvorführungen und Diavorträgen, die außergewöhnliche Reise- und Naturerlebnisse vorstellen. Die Vortragenden sprechen meist sehr unterhaltsam und die Bildauswahl ist hervorragend. Im Jahresprogramm finden sich bestimmt die passenden Weihnachtsgeschenke für Outdoor-Fans. Ist gerade keine Veranstaltung in der Nähe geplant, tut es notfalls ein Gutschein. Die gibt’s zum Beispiel beim Veranstalter grenzgang ab 20 Euro.

Für Naturschützer

Wer etwas für die geliebte Natur tun möchte, kann auch eine Tierpatenschaft oder eine Spende für ein Naturschutzprojekt schenken. Verschiedene Vorschläge hat etwa der WWF. Von Braunbären über Gorillas oder Haie sind Projekte auf allen Kontinenten dabei. Der Spendenbeitrag ist individuell wählbar. Als Dankeschön kann man eine Geschenkurkunde ausstellen lassen.

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Weihnachten mal anders: Klettern in der Türkei

Klettern in der Tuerkei

Leise rieselt der Schnee, Knecht Ruprecht stapft durch den Wald, Bratapfelgeruch zieht durch die warme Stube. Weihnachten. Ein Graus für Kletterer! Warum? Ganz einfach: Winter. Da muss das Draußenklettern bis zum Frühling warten. Nicht mit uns! Wir lassen Weihnachten Weihnachten sein und fahren raus aus deutschem Wintergrau und rein in den Sonnenschein. Wir fahren Klettern in der Türkei!

Winterflucht zum Nikolaus

Sinterkletterei
Traumhaft griffiger Fels in Geyikbayiri © Outdoortraum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unsere Winterflucht hat gleich drei Vorteile:
1. Wir haben’s schön warm.
2. Wir verlängern unsere Klettersaison.
3. Wir lernen Regionen kennen, in denen es im Sommer zu heiß zum Klettern ist.

In diesem Jahr also Klettern in der Türkei, quasi beim Nikolaus. Nach Myra geht’s aber nicht, sondern nach Geyikbayiri bei Antalya. Das bergige Hinterland ist unter Pauschaltouristen weitgehend unbekannt. Dabei ist es wunderschön, hat einen wilden Charme und im Winter kann man in den hohen Lagen sogar Ski fahren. Dafür sind wir aber nicht angereist. Wir wollen ans Seil!

Klettern in der Türkei: Ein Fest für die Sinne – äh … Finger

Traumfels in der Tuerkei
Der Fels leuchtet orange und selbst im Dezember ist es sommerlich warm. © Outdoortraum

Kaum im Josito Camp angekommen, springen wir in unsere Gurte. Das Camp liegt mitten im Klettergebiet. Fast alle Sektoren sind fußläufig. Rot und gelb leuchtet der Fels in der Sonne. Breite Sinterfahnen laden uns zum Klettern ein und wir hangeln durch die Überhänge. Vom fünften bis zum achten Franzosengrad ist hier alles überreichlich vorhanden: überhängend, kleingriffig, senkrecht, versintert, technisch, athletisch oder auch ganz einfach flowig. Ein Genuss!

Auf nach Citdibi

Sinterfahnen
Im Sektor Trebenna jubeln Sinterfans. © Outdoortraum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So schön das Klettern in Geyikbayiri ist, so einsam ist die Lage im Nirgendwo. Nach Antalya kommt man nur per Anhalter oder mit dem Mietwagen. In der näheren Umgebung sind nur ein paar vereinzelte Häuser von Ziegenhirten. Selbst der Ort Geyikbayiri ist zu Fuß kaum zu erreichen. Dafür ist das Klettercamp um so voller mit Weltenbummlern und Weihnachtsflüchtigen. Das ist meistens lustig. Nach zwei Wochen haben wir aber Lagerkoller und müssen da raus. Deshalb freuen wir uns, dass uns Tobias und Duygu Haug nach Citdibi einladen. Die beiden sind passionierte Kletterer und erschließen immer neue Routen. Das Klettergebiet Citdibi ist ihre Entdeckung. Ganz weit oben in den Bergen liegt es und ist nur über gewundene Schotterpisten zu erreichen. Von unserer Autositzen aus fühlt es sich an, als führen wir direkt in den Himmel. Wenn das kein gutes Omen für Weihnachten ist!

Weihnachten mit Muezzin

Wand in Citdibi
Die Wände in Citdibi sind zum Teil 150 Meter hoch. © Outdoortraum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oben angekommen sehen wir ein Paradies für Hardmover. Kein Wunder, wurden die ersten Routen doch 2014 im Rahmen des Petzl RocTrips eingebohrt. Neben ein paar knackigen Überhängen mit fantastischem Sinter öffnet sich links eine schmale Schlucht. Hier ragen auf beiden Seiten die Wände senkrecht in die Höhe. Lust auf Ausdauerklettern? Bei 140 Metern Wandhöhe kein Problem. Manche der derzeit 89 Routen sind 55 Meter lang – als Einfachlänge! So geht Klettern in der Türkei!

enge Schlucht in Citdibi
In dieser engen Schlucht kann man sich die Finger wund klettern. © Outdoortraum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein paar leichte Routen gibt es zwar auch, die Mehrzahl der Wege liegt aber im Bereich 7c bis 8c. Das meiste also zu schwer für mich. Das macht mir aber gar nichts. Ich genieße es, in den leichteren Längen nigelnagelneuen Sportkletterfels unter den Fingern zu haben. Von Speck keine Spur! Dabei ist alles toll abgesichert und alle Haken ist bestem Zustand. Tobias und Duygu setzen ihren ganzen Stolz in „ihr“ Citdibi, das ist zu merken.

Als es langsam Abend wird, zünden wir zwischen ein paar Felsblöcken ein Lagerfeuer an, schälen eine Orange vom Basar und schauen ins Tal. Langsam senkt sich die Sonne und färbt die Landschaft golden. Weit hinten im Dunst kann man das Meer vor Antalya entdecken. Andächtig betrachten wir das Bild vor uns. Da beginnt der Muezzin aus der Ferne sein Lied. Weihnachten.


Tipps zum Klettern in der Türkei:

  • Flug: Nehmt einen Flug nach Antalya. Hier gibt es fast das ganze Jahr über günstige Angebote.
  • Auto: Es kann sich lohnen, direkt am Flughafen auch einen Mietwagen zu ordern. Der kostet nicht so viel. Alternativ bietet das Josito Camp einen Transfer vom/zum Flughafen an. Sitzt ihr allein im Auto, habt ihr die Kosten für den Mietwagen aber oft schon raus. Also ruhig mal durchrechnen!
  • Unterkunft: Es gibt diverse Unterkünfte für Kletterer. Ihr könnt dort meist Zelte mieten, in kleinen Bungalows wohnen oder ein Zimmer in einem komfortableren Guest House buchen.
  • Essen: Ihr könnt vor Ort in der Küche des Camps kochen und euch so selbst versorgen. Einkaufen müsst ihr dafür entweder auf dem Markt, der einmal wöchentlich den Hügel runter stattfindet, oder aber in Antalya. Auch hier also: Mietwagen könnte sich lohnen! Wollt ihr gar nicht selbst kochen, könnt ihr euch natürlich auch für einen fairen Preis im Camp bekochen lassen.
  • Pausentage: Um Antalya herum gibt es tolle Ausflugsziele, viele archäologische Ausgrabungsstätten, andere Klettergebiete wie Olympos, Strände ohne Ende und viel schöne Natur. Die Altstadt von Antalya lohnt auch einen Besuch. Wenn ihr die müden Knochen verwöhnen wollt, könnt ihr hier ein Hamam besuchen (ein türkisches Bad).

Zu diesem Beitrag hat mich Simone Blaschke vom Kultreiseblog mit ihrer Blogparade „Weihnachten in anderen Ländern“ inspiriert. Danke dafür!

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Klettersteig im Wilden Kaiser: Jubiläumssteig

Hinweisschild zum Jubiläumssteig

Der Jubiläumssteig im Wilden Kaiser ist ein echtes Highlight für alle Klettersteigfans – egal, ob Anfänger oder Fortgeschrittene. Wie schon der Topo verrät, ist der Steig sehr gut eingerichtet und mit der Schwierigkeit A/B auch für Anfänger geeignet. Mit einem zusätzlichen Sicherungsseil ist diese Via Ferrata auch etwas für Kinder. Erfahrene Klettersteiggeher können bestimmt auf einige der vielen Sicherungspunkte verzichten. Trotzdem lohnt sich der Weg auch für Fortgeschrittene. Die Landschaft und das Felsenpanorama sind einfach unbeschreiblich schön.

Seilsicherung für Kinder im Jubiläumssteig
Mit Seilsicherung können auch Kinder den Jubiläumssteig gehen. © Outdoortraum

Zustieg zum Jubiläumssteig

Los geht es an der Wochenbrunner Alm. Wo sich die Reichen und Schönen tummeln, kann man gegen Gebühr parken. Da man den Jubiläumssteig in beide Richtungen begehen kann, gibt es von hier verschiedene Möglichkeiten, zur Via Ferrata zu gelangen:

• über den Weg 825 Richtung Gruttenhütte
• über die Gaudeamushütte und den Klammlweg (Weg 812/822 und 813/824) Richtung Gruttenhütte
• über die Gaudeamushütte Richtung Ellmauer Tor (Weg 812)

Gruttenhütte
Die Gruttenhütte thront in 1.620 Metern Höhe. © Outdoortraum

Wir haben uns für Möglichkeit 1 entschieden, den Weg über die Gruttenhütte. Für den Zustieg brauchen wir etwa 1,5 Stunden. Da hier erst einmal einige Höhenmeter zu überwinden sind, kann es an heißen Tagen schon etwas anstrengend werden. Von der Wochenbrunner Alm, die auf 1.080 Metern liegt, geht es nämlich bis auf die 1.619 Meter hoch gelegene Gruttenhütte. Wer mag, kann sich hier bei schönster Aussicht erfrischen, bevor es dann mit dem Jubiläumssteig losgeht.

Wilde Felsen im Wilden Kaiser

Der Klettersteig ist sehr gut eingerichtet. Es gibt ausgesprochen viele Stahlseile und Trittstufen. Steile Passagen sind sogar mit Leitern ausgestattet. Was den Weg so besonders macht, sind die atemberaubenden Ausblicke. Immer wieder müssen wir stehen bleiben und zu den schroffen Felsen hinaufschauen, die sich direkt vor und neben uns erheben. Rechter Hand liegt weit unter uns das Tal. Manchmal grüßt uns aus der Ferne das Geläut von ein paar Kuhglocken. Idyllischer kann ich mir eine Wanderung kaum vorstellen.

Blick ins Tal vom Jubiläumssteig aus
Der Blick ins Tal vom Jubiläumssteig aus. © Outdoortraum

Schwindelfrei?

Doch bei allem Genuss ist es wichtig, den Weg selbst nicht aus den Augen zu verlieren. Der ist mitunter nämlich ganz schön ausgesetzt. Eine tiefe Felsspalte überqueren wir auf guten Fußtritten. Zwischen unseren Füßen sehen wir den Abgrund. Wer da nicht schwindelfrei ist, sollte sich vielleicht lieber einen anderen Weg aussuchen.

Trittstufen über die Felsspalte
Zwischen den Trittstufen gähnt die Tiefe. © Outdoortraum

Abwechslungsreicher Jubiläumssteig

Ob wohl Trittsicherheit und Schwindelfreiheit nötig sind, ist der Weg nie zu schwierig. Aber er ist so kurzweilig eingerichtet, dass er uns auch ohne große Herausforderung viel Spaß macht. Mal geht es ein wenig bergab, auf Leitern dann wieder in die Höhe. Wir gehen an spitzen Felsnadeln vorbei und balancieren auf schmalsten Pfaden. Da ist es schade, dass nach einer Stunde schon alles vorbei ist.

ausgesetzter Klettersteig
Auf schmalen Pfaden durch die hochalpine Landschaft. © Outdoortraum

Abstieg

Bergab geht es dann zur Gaudeamushütte. Auch dieser Weg, der Weg 812, ist schön und gut markiert. Je tiefer wir kommen, desto dichter wird die Vegetation. In der Hitze erschlägt uns fast der herbe Duft der Latschenkiefern. Das Glockengeläut wird lauter und schließlich sehen wir vor uns die Gaudeamushütte. Die Terrasse ist voll mit Wanderern, die sich Limo, herzhafte Kartoffelsuppe und Kaiserschmarrn schmecken lassen. Wir gönnen uns auch ein kühles Radler bevor wir den Abstieg von hier zur Wochenbrunner Alm fortsetzen.

Ellmauer Tor
Blick aufs Ellmauer Tor. © Outdoortraum

Wir sitzen und schauen hinauf in die Berge. Dort oben im hochalpinen Gelände, da waren wir gerade. Diese Zufriedenheit nach einer schönen Bergtour schmeckt mindestens so gut wie unser Radler.

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