Im Test: Kletterschuh Drago von Scarpa

Grip

Bastian Schweinsteiger hat seine gesamte Profikarriere die Schienbeinschoner aus seiner Juniorenzeit getragen. Mario Gomez trug immerhin die letzten 16 Jahre dieselben. Thomas Müller konnte dem Zeugwart sogar die Beinschützer von Poldi abschwatzen. Gerd Müller, der Bomber der Nation, vertraute mit Schuhgröße 38 auf sein Lieblingspaar der Größe 41. Und nicht zuletzt kennen wir diverse Trainer, die nach siegreichem Durchgang wochen- und monatelang auf Pulli, Krawatte oder andere Kleidungsstücke vertrauen, net wahr, Jogi? Alles um ein wenig Fortune heraufzubeschwören!

Es kann nur einen geben. Oder?

Warum ich das alles erzähle? Ich fühle mich einfach besser mit meiner eigenen Marotte. Habe ich nämlich einmal ein Erfolg versprechendes Paar Kletterschuhe gefunden, muss ich dieses in fast manischer Art wieder und wieder kaufen – im festen Glauben, mein Klettererfolg, nein, mein Kletterleben hinge von diesem einem Modell ab. Als vor Jahren der Hersteller meines Leib-und-Magen-Modells dessen endgültiges Herstellungsende verkündete, sah ich damit auch mein Klettersportende gekommen. Das Geld für neue Kletterschuhe investierte ich folgerichtig in Boulekugeln und eine Flasche Wein und bereitete mich auf eine Karriere in der zweitschönsten französischen Nationalsportart vor. Doch dank eines Insidertipps („Pst, es gibt einen Schuh, der auf den gleichen Leisten hergestellt wird.“) fand ich eine vertretbare Alternative, die nun schon wieder viele Jahre meinen Fuß in der Vertikalen ziert.

Der Drago klettert nicht nur gut, er sieht auch noch toll aus dabei.

„Befreie dich von allen Zwängen!“, dachte ich wohl bei mir, als ich kürzlich meinen ganz nett bezahlten und sicheren Job kündigte, um nächsten Monat mit meiner Liebsten in den Bus zu steigen und auf unbestimmte Zeit Europas Vertikalwelt zu bereisen. „Befreie dich von all deinen Zwängen!“, dachte ich wohl auch, als ich letztes Wochenende im Shop eines Kölner Boulder-Ertüchtigungszentrums meinen Fuß in den Drago von Scarpa gleiten ließ.

Der Drago – zitronengelb und bananenkrumm

Meine bisherigen Kletterschuhe waren Pink, Braun, Ziegelsteinrot und Blau. Man kann also davon ausgehen, dass ich nicht allzu eitel in Bezug auf das äußere Erscheinungsbild von Kletterschuhen bin. Trotzdem konnte ich mir, als ich den neuen „Drachen“ vom renommierten italienischen Schuhmacher entdeckte, ein leises „Geil!“ nicht verkneifen. Feuerrot und Zitronengelb und ein Krümmungsgrad weit über dem zulässigen für EU-Bananen (siehe Verordnung EG Nr. 2257/94) lassen auf den ersten Blick erahnen, dass der Drago ein echter Ferrari unter den Kletterschuhen ist.

Zitronengelber High-Performance-Schuh in der „Zitrone“.

Einmal reingeschlüpft saugt der Schuh meine Zehen, insbesondere den dicken Onkel, geradezu in die richtige Position. Sofort fällt auf, dass hier das zusammenkommt, was ich bei einem Kletterschuh suche. Gute Passform, eine starke Asymmetrie für steile, präzise Fußarbeit und eine butterweiche Sohle für das perfekte Gefühl auf noch so kleinen Tritten.

Faktencheck

Bei so viel Liebe auf den ersten Blick habe ich natürlich einmal ein paar Facts zu dieser High-End-Waffe gesammelt:

• Die Arbeitsseite des Drago besteht aus einer Sohle aus 3,5 Millimeter dickem „Vibram XS Grip 2“-Gummi.
• Ergänzt wird die Sohle durch eine flächige Gummierung auf der Oberseite, das Toepatch, für perfekte Hook-Performance.
• Ein weiches, elastisches Obermaterial aus Mikrofaser legt sich sockengleich an den Fuß.
• Die PCB-Tension-Konstruktion sorgt für Spannung vom Zeh bis zur Ferse. Das soll für mehr Präzision beim Antreten und ein niedrigeres Gewicht sorgen.
• Bei Größe 40 bringt der Schuh laut Hersteller 200 Gramm auf die Waage. Na, besser der Schuh nimmt ab, als dass ich abnehmen muss.
• Die Verklebungen der Einzelteile, die Nähte und die Passform sind auf höchstem Niveau. Schließlich wird bei Scarpa alles einzeln per Hand und in Italien zusammengebaut!

Aber kann dieser Schuh denn auch das, was ich von ihm erwarte? Kann er besser klettern als ich?

Mit dem Toepatch kann man sehr gut hooken.

Drago im Felsentest

Der erste Test fällt etwas ungewöhnlich aus. Nicht ein Tag im Projekt soll mir das neue Schuhwerk näher bringen, sondern ein Kletterkurs für Einsteiger, den ich als Ausbilder begleitete. Kein Gerolsteiner Dolomit, kein südfranzösischer Kalk, kein Traumsandstein aus Fontainebleau oder gar ein wenig Grit, nein Kiesel in der Nordeifel sind die erste große Herausforderung des frisch formierten Duetts Frank/Drago.

Reibungstest

Auch heißen unsere ersten Klettermeter nicht „Freundschaft“ oder „Parabolika“. Erst recht nicht „Carnage“ oder „Gaia“. Es ist das „Rechte Terrassenwändchen“ und der „Bananenweg“ mit denen wir es aufnehmen. Und das erfolgreich.

Als ich in den Schuh reinschlüpfe, sitzt dieser so bequem, fast schon gemütlich, dass ich kurz denke: „Der ist zu groß!“ Doch ganz im Gegenteil fühlen sich die ersten Klettermeter an, als hätte den Schuh schon jemand für mich eingeklettert. Perfekt sitzt mein großer Zeh in der Spitze. Die weiche Sohle erlaubt mir präzises Antreten auf den kleinsten Kieselchen. Auch auf der glatten Oberfläche dieser erbsen- bis kartoffelgroßen Steinchen habe ich vollstes Vertrauen in die Friktion der XS-Grip-2-Bereifung. Auf dem grobkörnigen Sandstein erst recht. Egal wie wenig Tritt da ist: Fuß drauf, Druck geben – hält.

Die PCB-Tension-Konstruktion sorgt für Spannung.

Präzisionstest

Und hält der Schuh denn auch, was er oder vielmehr Scarpa verspricht? Präzision und Perfektion in steilem Gelände?

In einer Pause pilgere ich rüber zum „Parabolika“-Block, einem überhängendem Boulderspot mitten im Gebiet. Dort teste ich das Antreten auf kleinsten Tritten, Heelhooks, Toehooks – das ganze Programm. Auch hier gibt es nichts zu Klagen. Der Schuh macht, was er soll. Er hält.
Der letzte Test ist der Gebietsklassiker: die „Zitrone“. Mit den zitronengelben Schlappen fliege ich nur so die leicht überhängende Wand mit ihren kleinen Leisten und noch kleineren Tritten empor.

Heelhook
Auch die Heelhooks sitzen.

Fazit

Was soll ich sagen: Der Drago klettert locker den 12. Grad. Nur nicht, wenn meine Füße drin stecken. Aber ich fühle mich in diesem Schuh pudelwohl. Mein liebstes Klettergelände ist steil bis megasteil. Und genau dort habe ich ein super Gefühl. Ich habe optimale Spannung im Fuß und dabei ein sehr gutes Empfinden für den Tritt. Anstatt meine Füße nur zu parken, kann ich mit dem Tritt arbeiten. Ziehen, drücken, hooken: Alles kein Problem für den Drago. Und trotz der weichen Sohle stehe ich auch auf kleinsten Käntchen stabil und sicher.

Mein Fazit lautet deshalb: Der Drago von Scarpa ist der neue Star an meinem Fuß. Zur Sicherheit besorge ich mir einen Vorrat, damit ich dem schönsten französischen Nationalsport noch viele Jahre treu bleiben kann.

Alle Bilder im Artikel: Karsten Althaus

Im Test: Der Zustiegsschuh „WS Wildfire Vent“ von Salewa

Der Bergschuhspezialist Salewa hat mit dem „WS Wildfire Vent“ einen Zustiegsschuh entwickelt, der nach eigener Aussage vor allem im Hochgebirge, auf felsigen Wegen mit technischem Anspruch und in gemischtem alpinen Gelände zum Einsatz kommen soll. Nicht gedacht ist der Schuh für Schnee und Eis sowie Matsch und Gras.

Test in den Alpen

Ich habe den Schuh in den Alpen getestet. Dabei habe ich ihn seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt, nämlich Zustiegsschuh zu Klettertouren im alpinen Gelände zu sein. Außerdem bin ich auf unterschiedlichen Wanderpfaden gegangen, von breiten Waldautobahnen bis zu abschüssigen, schmalen Schotterrampen war alles dabei. Ein Ausflug in die Stadt war für den Schuh übrigens auch drin.

Bei der Wahl des passenden Zustiegsschuhs war mir vor allem das Gewicht wichtig. Mit nur 358 Gramm pro Schuh ist das Modell auch im Vergleich zu anderen Zustiegsschuhen ein echtes Leichtgewicht. Kein Problem also, am Einstieg in die Kletterschuhe zu wechseln und den Zustiegsschuh während der Klettertour im Rucksack zu verstauen. Wer die Schuhe bei solchen Unternehmungen lieber am Gurt befestigt, kann das übrigens mit den Laschen an der Ferse tun.

Sein geringes Gewicht verdankt der „Wildfire Vent“ seiner leichten Verarbeitung. Das Obermaterial ist aus Stoff, genauer sogenanntem Ballistic Mesh. Dahinter verbirgt sich ein atmungsaktives Netzgewebe. So ist der Schuh außerdem gut belüftet und das Fußklima angenehm. Das kann ich nur bestätigen. Ich war im Hochsommer in einer Hitzeperiode unterwegs, fand den Schuh aber immer angenehm am Fuß.

Leicht und trotzdem stabil. ©textwelten
Leicht und trotzdem stabil.
© Outdoortraum

Die Maschen im Obermaterial lassen andererseits Feuchtigkeit durch. Das erklärt auch, warum sich der Schuh nicht für Schnee und Eis oder Matsch eignet. Auch bei starkem Regen ist der Schuh nichts. Hier muss man also Abstriche machen.

Stabilität trotz Leichtigkeit

Der Schuh ist trotz seiner Leichtigkeit stabil. Das ist wichtig, wenn man in alpinem Gelände unterwegs ist. Zwar verzichtet das Modell auf einen hohen Schaft – immerhin handelt es sich um einen Zustiegsschuh, auch hier muss man dem Gewicht Tribut zollen. Stabil ist das Modell dennoch. Das wird durch gleich drei Eigenschaften erreicht: Zum einen wird das leichte Mesh-Gewebe an den Seiten durch die sogenannte EXA-Shell-Struktur verstärkt, was stabilisierend wirkt. Diese Hülle schützt zusätzlich das Obermaterial vor Verschleiß. Praktisch, bei der extremen Beanspruchung in den Bergen! Die Kletterschuh-Schnürung sorgt zusätzlich für festen Halt im Schuh. Das Plus dabei: Jeder Träger kann die Schnürung individuell an seinen Fuß anpassen. Drittens schließlich hat der „Wildfire Vent“ eine gummierte und feste Zehenkappe. Anstoßen und Stolpern ist somit also kein Problem.

Sehr praktisch: die gummierte Zehenkappe. ©textwelten
Sehr praktisch: die gummierte Zehenkappe.
© Outdoortraum

Auf dem Weg zum Wandfuß und vom Gipfel wieder runter auf sehr schmalen und gerölligen Trampelpfaden kann ich sagen: Mein Fuß saß wie eine Eins im Schuh und ich habe mich sicher gefühlt, obwohl ich sonst lieber Stiefel in den Bergen trage. Dabei hat natürlich auch die bewährte Vibram-Sohle eine Rolle gespielt. Die hat auch in anspruchsvollerem Gelände gut gehalten. Das gute Profil sorgt ebenfalls für sicheren Tritt. Die Zehenspitze ist weniger profiliert, was genaueres Antreten bei kleineren Kletterpassagen ermöglicht.

Daumen hoch!

Insgesamt bin ich rundum zufrieden mit dem Schuh. Von mir also eindeutig beide Daumen hoch! Der „Salewa Wildfire Vent“ ist für mich der ideale Zustiegsschuh und vereint Leichtigkeit mit Stabilität bei großem Tragekomfort. Die Optik ist ja immer Geschmackssache, aber ich finde, dass er auch für die Stadt viel hermacht. Das Modell gibt es für Damen und Herren in mehreren Farben. Es muss also nicht immer schreiend Grün sein.

Im Test: KletterRetter – die Rettung bei zerschundenen Händen?

Es wird gezerrt, gezogen, die Fingerkuppen auf kratzigen Miniaturleisten bis aufs Äußerste aufgestellt, an rauen Slopern geklebt und an Traumkellen durch Dächer gehangelt – wer klettert, mutet seinen Händen einiges zu. Nach einer Session an rauem Sandstein fühlen sich die Hände genauso rissig an wie der Fels, den wir bearbeitet haben.

Aber auch das Training in der Halle ist für die Hände kein Spaß. Gerade im Sommer, wenn man vielleicht mal nicht nach draußen kann, schmiert man bei hoher Luftfeuchtigkeit auf heißen, klebrigen Plastikgriffen herum. Danach brennen die Hände – oder schlimmer, es bilden sich Blasen.

Bei vielen Kletterern – meistens bei Männern, so der Eindruck – ist lindernde Creme nach einem Klettertag verpönt. Hautpflege bei der Kletterhand besteht dann eher darin, die Hände rau zu lassen, die Schwielen zu erhalten und insgesamt der Hornhaut zu huldigen. Ich habe Felskollegen, die stützen selbst im eigentlich entspannenden Vollbad ihre Ellbogen auf den Wannenrand, damit die Finger bloß nicht schrumplig werden und die mühsam erarbeiteten Schwielen nicht einweichen.

Die Lösung für die Kletterhand? ©KletterRetter
Die Lösung für die Kletterhand?
©KletterRetter

Nun ja. Um das Schönheitsergebnis dieser Strategie soll es hier ja nicht gehen. Allein die Widerstandsfähigkeit der Hände ist wichtig. Das ist ja auch sinnvoll, denn ohne ein bisschen Hornhaut an den Händen wird man kaum Freude am Klettersport haben.

Der Selbstversuch

Was aber, wenn man es mal auf einen Versuch ankommen lässt und die Hände pflegt, ohne die Haut zu weich zum Klettern zu machen? Ich habe es ausprobiert und die Creme „KletterRetter“ benutzt. Laut Aussage eine Handcreme, die von Kletterern für Kletterer entwickelt wurde.

Ausprobiert haben die Creme ein paar Freunde und ich nach einem Tag in der Kletterhalle. Drinnen war es fürchterlich schwül, die Hände schnell klebrig. Die Haut brannte schon nach wenigen Zügen. Beim Umzug an den Boulderpilz draußen waren die Bedingungen besser. Am Ende der Session hatten wir aber alle brennende Hände.

Nach der Dusche cremten wir unsere Hände mit KletterRetter ein und waren alle zufrieden. Die Creme wirkt erst einmal sehr fettig, zieht aber schnell und restlos ein, auch bei sehr üppiger Verwendung. Ein klebriges Gefühl bleibt nicht zurück. Sie ist recht geruchsneutral, was angenehm ist. Insgesamt fühlte es sich an wie ein Handbad in Bepanthen. Und das Ergebnis? Das Brennen wurde deutlich gelindert und die Hände waren wieder so weich und elastisch wie zuvor.

Nach ein paar weiteren Versuchen auch an echtem Fels kann ich sagen: Die geheiligten Schwielen gibt es noch und ich bemerke keine Nachteile in der Widerstandsfähigkeit meiner Haut. Dafür fühlt sich die Creme angenehm an und das Brennen lässt schneller nach. Ob die Creme tatsächlich einen Klettertag retten kann, bleibt noch zu sehen.

Details zur Creme

So sieht sie aus, die Creme. ©KletterRetter
So sieht sie aus, die Creme.
©KletterRetter

Laut Hersteller ist die Handcreme vegan und ohne Tierversuche hergestellt. Das ist natürlich ein dickes Plus. Inhaltsstoffe sind unter anderem Panthenol, Calendulaöl und Vitamin A. Das Panthenol fördert die Wundheilung und wirkt entzündungshemmend, den gleichen Effekt hat das Calendulaöl. Vitamin A soll die Widerstandsfähigkeit der Haut langfristig verbessern. Kostenpunkt: Die 75-ml-Tube gibt es für 11,90 Euro. Die Creme gibt es in vielen Boulder- oder Kletterhallen oder einfach im Online-Shop der Hersteller.

Im Test: Die Jacke Women’s Adze Hoody von Patagonia

Die Jacke von Patagonia kommt in leuchtendem Türkis daher. Farbe ist natürlich Geschmackssache, aber mir gefällt der Farbtupfer, vom Hersteller Blue Caracao genannt. Besonders, wenn es draußen kalt und grau ist, ein erfreulicher Lichtblick. Enttäuschender fällt die Passform aus. Die Armlänge stimmt, aber die Jacke ist für ein Damenmodell meines Erachtens nicht tailliert genug. So schlägt sie Wellen am Reißverschluss, das sieht nicht so schön aus.

Von der Optik einmal abgesehen ist das Patagonia Women’s Adze Hoody angenehm zu tragen. Die Jacke wirkt sehr leicht. Das beiliegende Materialblatt informiert mich: 652 Gramm.

Auch an den Handgelenken schmiegt sich die Jacke schön an, ohne einzuengen oder zu kurz zu sein. Das ist vielversprechend für guten Windschutz auch bei aktiveren Aufenthalten an der frischen Luft.

Arme hoch: Jacke trotzdem nicht zu kurz. © textwelten
Arme hoch: Jacke trotzdem nicht zu kurz.
© textwelten

Auch das elastische Polartec®-Windbloc®-Material der Jacke soll winddicht und dank Imprägnierung auch wasserabweisend sein. Die Innenseite der Softshell-Jacke besteht aus Gitter-Fleece, das Feuchtigkeit nach außen ableitet und außerdem warmhält.
Der Kopf wird von einer Kapuze geschützt, die man auch noch in der Weite verstellen kann, sollte der Sturm mal richtig wüten.

Bleibt also nur noch, die Jacke in der Praxis zu testen. Das habe ich mehrmals gemacht, bei verschiedenen Witterungen und unterschiedlichen Aktivitäten. Ich war ein paarmal wandern. Egal ob ich einen Rucksack auf dem Rücken hatte oder nicht: Ich war unter der Jacke nicht verschwitzt. Das war sehr angenehm. Atmungsaktiv ist das Hoody also.

Einem Dauerregen habe ich die Jacke nicht ausgesetzt, aber ein paar Schauer haben sie und ich innen trocken überstanden. Also auch in der Kategorie „wasserabweisend“ Daumen hoch!

Was den Kälteschutz angeht, hatte ich den Eindruck, dass die Softshell-Jacke eine überraschend große Bandbreite an Temperaturen abdeckt. Obwohl sie so leicht ist und sich eher dünn anfühlt, war ich auch bei eisigem Wind und frostigen Temperaturen noch gut angezogen. Im Herbst und Frühling ist die Patagonia Women’s Adze Hoody definitiv eine gute Wahl.

Hält warm und ist dabei atmungsaktiv: Die Patagonia Women's Adze Hoody. © textwelten
Hält warm und ist dabei atmungsaktiv: Die Patagonia Women’s Adze Hoody.
© textwelten

Kommt noch die Bewegungsfreiheit, die mir neben Atmungsaktivität und Windschutz besonders wichtig war. Ich habe die Jacke also zum Bouldern nach Fontainebleau entführt und sie dort getestet. Ergebnis: Super! Keinerlei Einschränkung, absolute Bewegungsfreiheit und angenehmer Tragekomfort auch bei Bewegung.

Überstreckt am Fels, aber nichts verrutscht: Da bleibt alles schön warm. © textwelten
Überstreckt am Fels, aber nichts verrutscht:
Da bleibt alles schön warm.
© textwelten

Die Jacke gibt es bei Patagonia derzeit zu einem Preis von 119,00 Euro. Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, wie ich finde.

Im Test: Der Spirituskocher MINI TRANGIA von trangia

Ein Kocher gehört in jede Camping-Küche – so viel ist klar. An der Frage, welches Modell zu wählen ist, scheiden sich jedoch die Geister. Ich habe in meiner langjährigen Camping-Erfahrung so ziemlich alle Modelle durchprobiert: Ich bin schon mit großer Gasflasche und 2-Flammen-Herd verreist, habe einen Benzinkocher im Rucksack transportiert und diverse Gaskartuschensysteme hinter mir. Für mich steht fest: Das ist mir alles zu umständlich.
Nie findet man eine passende Gaskartusche, wenn man sie braucht. Außerdem ist die Montage je nach System manchmal extrem umständlich. Die Gasflaschenlösung kommt nur bei passendem Gefährt infrage. Der Benzinkocher funktioniert zwar erprobtermaßen auch bei Windstärke 7 noch, rußt und stinkt aber extrem und nach einmal Tankstellenbenzin war das Ding trotz Filter total verschmutzt und an Reinigung nicht mehr zu denken.

Der MINI TRANGIA

Eine Lösung muss also her. Getestet wird deshalb der Spirituskocher MINI TRANGIA vom Hersteller trangia. Anschaffungspreis: 34,95 Euro. Dazu noch eine Flasche Spiritus für 3,95 Euro. Die schwedische Firma ist am Markt sehr etabliert und vertreibt Modelle in unterschiedlichen Größen. Der MINI TRANGIA ist die kleinste Version des immer gleichen Prinzips: 1 kleiner Spiritusbrenner mit Schraubdeckel steht in einem Windschutz. Dazu gehören ein Topf, ein Deckel und ein Greifer. So auch bei diesem Modell.
Ineinander gestapelt ist das Kochset nur 65 mm hoch und 150 mm breit und somit sehr handlich. Mit 320 g ist der Kocher außerdem schön leicht. Aber bewährt sich das kleine Packmaß in der Praxis?

Der Greifer hat schon eine Delle in die Pfanne gebohrt. © www.text-welten.com
Der Greifer hat schon eine Delle in die Pfanne gebohrt.
© www.text-welten.com

Als Erstes stelle ich fest, dass der anti-haft-beschichtete Deckel, der auch als Pfanne dient, schon nach erstem Auspacken und wieder Zusammenpacken eine Delle hat. Der Greifer passt kaum in den Topf und hat sich so in den Pfannenboden gebohrt. Nicht so schön, habe ich doch wirklich keine Gewalt angewendet, um das Set wieder zu verschließen. Auf der anderen Seite nimmt der Kocher in unserer Kochkiste wirklich gar keinen Platz weg und ist mit einem Griff zur Hand. Vor dem ersten Morgenkaffee definitiv ein Pluspunkt.

Fehlender Windschutz

Apropos Morgenkaffee: Der eher angedeutete Windschutz des Kochers hält mit etwas Fingerspitzengefühl genau meine Espressomaschine. Das war auf den anderen trangia-Kochern ohne Kochstern bisher nicht möglich. Weil es mir aber vor dem ersten Morgenkaffee manchmal an Fingerspitzengefühl mangelt, denke ich trotzdem über die Anschaffung eines Kochsterns nach.

Eher rudimentärer Windschutz © www.text-welten.com
Eher rudimentärer Windschutz
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Was den Windschutz betrifft, kann man sagen, dass der beim MINI TRANGIA eigentlich nicht mitgeliefert wurde. Er ist so klein, dass er vor gar nichts schützt. Bei Windstille spielt das keine Rolle, aber wann herrscht die schon … Ich habe den Kocher also kurzerhand in einen größeren Topf gestellt, das funktionierte wunderbar. Auf dieser Konstruktion habe ich Nudelwasser gekocht. Laut Herstellerangaben soll die Erhitzung von einem Liter Wasser 10 bis 15 Minuten dauern. Bei mir ging es etwas schneller (etwa 8 Minuten), aber ich hatte ja auch mein Patent Marke Eigenbau im Einsatz.

Den mitgelieferten Alutopf mit einem Fassungsvermögen von 800 ml habe ich noch nicht benutzt. Er ist einfach zu klein, um bei mir eine sinnvolle Verwendung zu finden.

Windschutz Marke Eigenbau © www.text-welten.com
Windschutz Marke Eigenbau
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Fazit

Der Kocher ist zwar etwas teurer als zum Beispiel Gaskartuschensysteme. Da der Spiritus jedoch viel günstiger ist und man deutlicher weniger verbraucht, ist der Preisunterschied schnell ausgeglichen. Obwohl der MINI TRANGIA wegen seiner geringen Größe etwas wacklig daherkommt, überzeugt mich das Modell. Der Spiritus riecht nicht stark und ist gering im Verbrauch. Der Kocher kann kaum kaputtgehen und verspricht eine sehr lange Lebensdauer. Dazu ist er klein und handlich und extrem leicht zu reinigen. Der fehlende Windschutz lässt sich durch ein selbst gebautes Provisorium leicht ersetzen. In Anbetracht der Tatsache, dass ich mit meinem Topf-Windschutzersatz zum größeren trangia-Modell bis zu 60 Euro spare, mache ich mein Provisorium gern zur Dauerlösung. Die Kochleistung befriedigt mich. Insgesamt bin ich mit meinem Spirituskocher zufrieden und hoffe nun, ein Ende meiner Camping-Kocher-Odyssee gefunden zu haben.