Mein Zuhause auf vier Rädern – das Wohl und Wehe, einen Camping-Bus zu besitzen

Die große Freiheit! Einsteigen und weg! Ziel ungewiss! Was ist er nicht verheißungsvoll so ein Bus. Von den Besitzern wird er zärtlich Bulli genannt, ganz egal, ob er von Volkswagen gebaut wurde oder nicht. Egal auch, ob er einen schicken Westphalia-Ausbau hat oder nicht. Manch ein Bulli-Fahrer findet allzu viel Komfort im Innenraum sogar verpönt. Da genügen eine hingeschusterte Liegefläche und ein Geschirrhandtuch vorm Fenster, um den Hippietraum perfekt zu machen. Die große Freiheit eben: Der Bus lässt jeden sein, wie er will.

Wie groß der Schmerz aber, wenn man keinen hat! Umso größer, wenn man einst einen Bulli besaß und das als Familienmitglied verzärtelte Gefährt der sonst so unmaterialistischen Fahrer dann den Geist aufgab. Wie, bitte, soll man denn je wieder reisen? Im Zelt etwa? Ferienwohnung oder gar Hotel sind natürlich völlig undenkbar. Ein neuer Bus muss her!

Hat die Saison begonnen, lässt sich der Camper mit Lebensgefühl schon gern mal zu einem vorschnellen Fehlkauf hinreißen (Der Rost da? Ach, der ist doch gar nicht so schlimm! Und das Klappern hör ich gar nicht, wenn ich die Musik aufdrehe …). So ein Fehlkauf kann aber ganz schön teuer werden. Unzählige Reparaturen fressen das heilige Urlaubsbudget auf. Alle zwei Jahre die bange Frage, ob der Bulli denn wohl durch den TÜV kommt. Wohnt man in der Großstadt, muss man dann wohl auch noch für die Umweltplakette beziehungsweise den Einbau des Feinstaubfilters berappen. Alles in allem bleibt die Frage, ob sich trotz aller Liebe zum Provisorium nicht die Investition in ein Komfort-Fahrzeug lohnt.

Wir haben die Probe auf Exempel gemacht und unseren Renault Trafic meistbietend an einen Panikkäufer (Der Rost da? Ach, der ist doch gar nicht so schlimm! Und das Klappern hör ich gar nicht, wenn ich die Musik aufdrehe …) verschleudert. Der Bus – Baujahr 1997, ebenfalls als Panikkauf zu uns gekommen und nun nicht mehr für die Umweltzone aufrüstbar – war unser Zuhause auf vier Rädern gewesen. Wir verabschiedeten uns tränenreich.

Mit dem Bus ist man überall zuhause. © Gabi Schoenemann/PIXELIO www.pixelio.de
Mit dem Bus ist man überall zuhause.
© Gabi Schoenemann/PIXELIO www.pixelio.de

Gleichzeitig hatten wir uns aber geschworen: Der nächste Bulli bleibt länger bei uns. Wir geben etwas mehr Geld aus, dafür kriegen wir jahrelang TÜV, eine Plakette und ein paar PS mehr unter der Haube, damit wir nicht jedes Mal drei Tage in die Provence brauchen. Wir befragten das Internet bei den einschlägigen Händlern und schnell wurde klar: Volkswagen und Mercedes sind zu teuer, Fiat baut fast nur ohne Fenster und ansonsten wird es knapp. Mehr als 100.000 Kilometer sollte das gute Stück nicht auf dem Buckel haben. Fenster hinten wären schön, Ausbau eher keinen.

Schrittweise setzten wir den Preis hoch, um ein paar Treffer bei der Suche zu erzielen. Bei 15.000 Euro hatten wir grade Mal eine Handvoll akzeptabler Gefährte und die waren in ganz Deutschland verteilt. Die Hoffnung sank. Da plötzlich stolperte uns der Citroën Jumper über den Weg. Es war Liebe auf den ersten Blick. Unser „Jumpy“ ist innen geräumig, vorne komfortabel und unter der Haube vergleichsweise schnell. Der Vorbesitzer hatte sogar ein paar Campingfenster und eine Dachluke eingebaut. Dazu gab’s – unerhörter Luxus! – einen kleinen Kühlschrank und eine ausziehbare Liegefläche.

Jumpy ist nun unser neues Familienmitglied. Wir sind nicht mehr heimatlos auf unserem Weg durch die Welt und zu dritt auf der Straße zuhause. Danke Jumpy!

 

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